Der Weg ist zu weit – und hier ist Stärkung
Teil 3 der dreiteiligen Andachtsreihe zu Elia in der Wüste
Bibelstelle: 1. Könige 19,7-8
Der Bibeltext (BasisBibel):
Doch der Engel des HERRN kam noch einmal und berührte ihn. Er sagte: »Steh auf und iss! Sonst ist der Weg zu weit für dich.« Da stand Elia auf, aß und trank. Durch diese Speise gestärkt, wanderte er vierzig Tage und vierzig Nächte lang bis zum Gottesberg Horeb.
I.
„Der Weg ist dir zu weit.“ Das sagt der Engel zu Elia.
Nicht: „Stell dich nicht so an.“ Nicht: „Du schaffst das schon.“
Sondern: „Ja. Ich weiß.“
Und vielleicht brauchen Sie das heute auch zu hören:
Dass jemand weiß, wie weit der Weg ist.
Der Weg bis Weihnachten.
Der Weg zurück nach Hause.
Der Weg durch diese Krankheit.
Advent heißt: unterwegs sein. Und manchmal ist der Weg – zu weit.
II.
Der Engel kommt zurück. Berührt Elia.
Wieder. „Steh auf und iss.“
Und dann sagt er etwas Merkwürdiges: „Denn der Weg ist dir zu weit.“
Das ist keine Aufmunterung.
Das ist Wahrheit.
Der Engel sagt nicht: „Ach, so schlimm ist es doch gar nicht.“
Er sagt: „Ich weiß, es ist zu viel.“
Und dann gibt er nicht weniger Weg. Er gibt mehr Kraft.
„Steh auf und iss. Sonst ist der Weg zu weit für dich.“
Das heißt: Mit diesem Brot – ist er nicht zu weit.
III.
Wer ist dieser Engel?
Im Hebräischen steht hier: mal’ach JHWH. Bote Gottes.
Aber nicht irgendein himmlisches Wesen.
Sondern: Gott selbst, in Gestalt.
Wenn der Engel Brot gibt – gibt Gott selbst.
Wenn der Engel berührt – berührt Gott.
Der Engel kommt. Das ist Advent.
Advent heißt Ankunft.
Nicht nur: Ich mache mich auf den Weg.
Sondern: Gott macht sich auf den Weg. Zu mir.
Die Stärkung ist nicht nur Nahrung.
Die Stärkung ist: Du bist nicht allein.
IV.
„Wer ist mein Engel?“
Vielleicht die Pflegekraft, die nachts noch mal kommt und fragt: „Brauchen Sie noch was?“
Vielleicht der Anruf von zu Hause.
Die Stimme, die sagt: „Wir denken an dich.“
Vielleicht das Gespräch mit der Ärztin, das Klarheit bringt.
Oder die halbe Stunde Schlaf, die wirklich Erholung war.
Engel sind nicht immer unsichtbar. Manchmal haben sie Hände.
Manchmal eine Stimme. Und in ihnen – ist Gott selbst.
V.
„Was ist mein Brot?“ Nicht nur: was ich esse.
Sondern: was mich stärkt.
Für Elia war es Brot. Echtes Brot.
Für Sie heute vielleicht auch.
Das Essen am Mittag.
Der Tee am Nachmittag.
Aber manchmal ist Brot auch:
Der Blick aus dem Fenster.
Das Tageslicht.
Die Musik, die Sie hören.
Das Gebet, das Sie sprechen.
Manchmal ist Brot: Dass jemand da ist.
Einfach nur da. Dass Sie nichts müssen.
Brot ist, was Sie heute am Leben hält.
Was Ihnen Kraft gibt – für den nächsten Schritt.
Und Gott sagt: „Nimm es. Es ist für dich.“
VI.
Elia isst. Trinkt. Und geht.
Nicht, weil er stark ist. Nicht, weil er einen Plan hat.
Sondern – in der Kraft dieser Speise.
Vierzig Tage. Vierzig Nächte.
Schritt für Schritt.
Nicht das große Ziel im Blick. Nur: den nächsten Schritt.
Und am Ende – steht er am Gottesberg.
VII.
Aber vielleicht ist das Geheimnis dieses Weges nicht, dass Elia durchgehalten hat.
Sondern dass Gott ihm entgegengekommen ist.
Advent heißt Ankunft.
Nicht nur: Ich bin unterwegs.
Sondern: Gott ist unterwegs. Zu mir.
Ich muss nicht ankommen.
Ich muss nur gehen.
Denn irgendwo auf diesem Weg –
begegne ich dem, der mir entgegenkommt.
Der Weg ist nicht zu weit –
wenn einer mitgeht, der weiß, wie weit er ist.
Und wenn einer kommt, der sagt: „Hier. Stärke dich erst mal.“
Und dann gehen wir – zusammen.
Amen.
Fragen
zur persönlichen Reflexion,
für das eigene Nachdenken,
das Tagebuch,
oder ein vertrauensvolles Gespräch
- Welcher Weg liegt gerade vor Ihnen – und fühlt sich zu weit an?
(Der Weg bis Weihnachten? Der Weg durch die Behandlung? Der Weg zurück ins Leben?) - Wer war in letzter Zeit ein „Engel“ für Sie?
(Wer hat Sie gestärkt? Wer war einfach da? Wer hat Ihnen Brot gegeben – im wörtlichen oder übertragenen Sinn?) - „Der Weg ist nicht zu weit – wenn Gott selbst mitgeht.“ Was bedeutet das für Sie?
(Wo haben Sie das schon erlebt? Oder: Wo sehnen Sie sich danach?)
Meditativer Nachklang
Was ist heute mein Brot?
Was gibt mir Kraft für den nächsten Schritt?
Vielleicht das Essen am Mittag.
Vielleicht der Schlaf, der wirklich Erholung war.
Vielleicht das Licht, das durchs Fenster fällt.
Vielleicht die Stimme am Telefon.
Vielleicht die Hand, die mich berührt.
Vielleicht die Stille, in der ich atmen darf.
Du sagst: „Hier. Nimm.“
Nicht für morgen.
Nicht für den ganzen Weg.
Nur: für jetzt.
Und das reicht.
Amen.
Für alle,
die Lust haben auf mehr:
Gedanken und Bausteine,
die übrig blieben
beim Vorbereiten
Manchmal bleiben beim Vorbereiten der Andachten oder Predigten ein paar Gedankensplitter übrig.
Sie passen irgendwie nicht so richtig hinein, aber sie sind zu schade, sie zu vergessen.
Hier finden Sie etwas davon.
Was bedeutet „vierzig Tage und vierzig Nächte“?
Die Zahl 40 ist in der Bibel keine mathematische Angabe, sondern eine symbolische. Mose war vierzig Tage auf dem Berg Sinai (2. Mose 24,18)
Israel wanderte vierzig Jahre durch die Wüste (5. Mose 8,2)
Jesus fastete vierzig Tage in der Wüste (Matthäus 4,2)
Die Zahl 40 steht für: Zeit der Prüfung. Zeit der Vorbereitung. Zeit der Verwandlung.
Elia geht vierzig Tage zum Gottesberg Horeb (der andere Name für den Sinai). Und dieser Weg ist schon ein Teil des Wandlungsprozesses in ihm. Der Weg ist nicht notwendige Vorbereitung. Er ist Teil des Heilungsweges.
Was ist der „Gottesberg Horeb“?
Horeb ist der andere Name für den Berg Sinai. Der Anfangspunkt der Geschichte Gottes mit Israel.
Elia geht dorthin. Zurück zu den Anfängen. Zurück zum Ursprung.
Warum?
Weil er nicht mehr weiß, wer er ist. Weil er nicht mehr weiß, was sein Auftrag ist. Weil er erschöpft ist und verzweifelt.
Und Gott sagt nicht: „Mach weiter wie bisher.“
Er sagt: „Komm. Zurück an den Anfang. Zurück zu mir.“
Die Botschaft: Manchmal ist der Weg nach vorn – ein Weg zurück. Zurück zu den Wurzeln. Zurück zu Gott.