Abendmeditation in sechs Gesten
1) Ankommen
Setz dich aufrecht hin. Stell die Füße flach auf den Boden.
Lass Schultern und Gesicht weich werden.
Atme ruhig – und sage beim Ausatmen leise: „Hier bin ich.“
2) Empfangen – Hände wie eine Schale
Öffne deine Hände im Schoß, Handflächen nach oben – wie eine Schale.
Atme weiter – und sprich innerlich beim Ausatmen: „Ich empfange.“
Lege innerlich in diese Schale, was heute zu dir kam:
Worte, Begegnungen, kleine Zeichen der Hoffnung.
Frag dich: Was habe ich heute empfangen?
Wer hat mir heute etwas geschenkt – durch Worte, Gesten, Gegenwart?
Gebet (leise):
Gott, du schenkst mir durch andere, was ich brauche.
Ich danke dir für alle, die hier arbeiten –
für ihre Geduld, ihre Fachkenntnis, ihre Menschlichkeit.
Segne sie und bewahre ihre Kraft.
3) Bewahren – Hände aufs Herz
Lege deine Hände auf dein Herz. Spür den warmen Druck deiner Berührung.
Atme weiter – und sprich innerlich beim Ausatmen: „Es ruht in mir.“
Frag dich: Was hat mir heute gutgetan?
Was möchte ich im Herzen bewahren – wie einen kostbaren Schatz?
(Stille)
Denke an die Menschen, die du im Herzen trägst –
die dir nahe sind, auch wenn sie fern sind.
Gebet (leise):
Gott, du kennst die, die ich im Herzen trage.
Segne sie, wo immer sie sind.
Schenke ihnen, was sie heute brauchen.
4) Segnen – Hände, die segnen
Heb die Hände vor dein Herz, Handflächen leicht nach vorn geöffnet – ein kleines, klares Segenszeichen.
Atme weiter – und sprich beim Ausatmen: „Segen über dir.“
Nimm Menschen in den Blick, denen du heute begegnet bist –
leichte und schwere Begegnungen.
Denke an die, die heute hier sind: Patient:innen, Angehörige, Mitpatient:innen.
Gebet (leise):
Gott, segne alle, die heute hier sind –
die Fragenden, die Erschöpften, die Hoffenden.
Lass sie spüren, dass sie nicht allein sind.
Lass aus dem Empfangenen Segen werden.
5) Loslassen – Hände nach unten
Dreh die Handflächen nach unten – gib die Schwere an die Erde ab.
Atme weiter – und sprich beim Ausatmen: „Ich lasse los.“
Benenne still, ohne Erklärungen:
Was war heute schwer?
Was kann ich nicht tragen?
Gebet (leise):
Gott, du trägst, was mir zu schwer wird.
Sei bei allen, die in diesen Tagen von hier fortgehen.
Bewahre in ihnen, was gut geworden ist,
und stärke sie für das, was kommt.
6) Ruhen – Hände im Schoß
Lass die Hände locker im Schoß ruhen. Erlaube dem Atem, natürlich zu werden.
Sprich leise: „Du bist da – ich ruhe in dir.“
Spür die Verbundenheit:
Patient:innen und Angehörige, Mitarbeitende und Sorgende,
alle, die hier ein- und ausgehen.
Gebet (leise, Abschluss):
Gott, du bist da.
Segne die Nacht.
Schenke Schlaf denen, die schlafen,
und Frieden denen, die wachen.
Dann öffne langsam die Augen und komm zurück.
Wir beten gemeinsam:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.