Unter dem Ginsterstrauch – Der heilsame Schlaf
Teil 1 der dreiteiligen Andachtsreihe zu Elia in der Wüste
Bibelstelle: 1. Könige 19,3-4
Der Bibeltext (BasisBibel):
Elia bekam Angst. Er machte sich auf und lief um sein Leben. So kam er nach Beerscheba, das zu Juda gehört. Dort ließ er seinen Diener zurück. Er selbst ging eine Tagesreise weit in die Wüste hinein. Dann setzte er sich unter einen Ginsterstrauch. Er wünschte sich zu sterben und sagte: »Es ist genug! Nimm nun mein Leben, HERR! Denn ich bin nicht besser als meine Väter.«
I.
Sie sind jetzt hier.
Nicht zu Hause, nicht auf dem Weihnachtsmarkt.
Hier.
Manche von Ihnen wollten das – ein Rückzugsort, wenn draußen alles zu laut wird.
Manche würden lieber woanders sein.
Beides ist okay. Und beides kann schwer sein.
II.
Da ist dieser Prophet Elia.
Gerade noch Feuer vom Himmel geholt.
Gerade noch Sieger über die Baalpriester.
Szenen wie in einem Actionfilm.
Mit Tom Cruise oder Daniel Craig als Elia.
Und dann – eine Todesdrohung von der Königin.
Und Elia? Er rennt.
Nicht joggen.
Nicht Nordic Walking.
Sondern: weg hier.
Elia, der Prophet – auf der Flucht.
Wie schnell das gehen kann.
Er rennt, bis er nicht mehr kann.
Dann setzt er sich unter einen Ginsterstrauch.
Einen kargen Busch in der Wüste.
Kein richtiger Baum, kein richtiger Schatten.
Nur: irgendwo.
Vielleicht kennen Sie das – manchmal reicht es, einfach irgendwo zu sein, wo man nicht funktionieren muss.
III.
Und dann sagt Elia:
„Es ist genug. Nimm mein Leben, Gott.
Ich bin nicht besser als die anderen.“
Keine Durchhalteparolen.
Kein „Ich schaffe das noch“.
Nur: „Es reicht.“
Und wissen Sie, was passiert?
Gott sagt nicht: „Reiß dich zusammen.“
Gott sagt nicht: „Du bist stärker, als du denkst.“
Gott lässt ihn schlafen.
IV.
Hier in der Klinik darf sein, was ist.
Die Erschöpfung.
Das „Ich kann nicht mehr“.
Das ist okay.
Advent draußen ist oft laut.
Viel Programm, viele Erwartungen.
Vielleicht ist es hier ruhiger.
Oder vielleicht fühlt sich gerade das schwer an – diese Stille.
Beides darf sein.
V.
Sie müssen jetzt nicht stark sein.
Sie müssen jetzt nicht hoffen.
Sie dürfen müde sein.
Und vielleicht ist das schon der erste Schritt:
Dass Sie es sagen dürfen.
„Es ist zu viel.“
Gott lässt Elia schlafen.
Kein Vorwurf.
Keine Aufgabe.
Nur: Schlaf.
Und das ist ein guter Anfang.
Amen.
Fragen
zur persönlichen Reflexion,
für das eigene Nachdenken,
das Tagebuch,
oder ein vertrauensvolles Gespräch
- Wo in Ihrem Leben spüren Sie gerade: „Es ist zu viel“?
- Gibt es einen inneren Ort, an dem Sie sich hinlegen dürfen – ohne etwas leisten zu müssen?
- Was würde sich verändern, wenn Sie sich erlauben, müde zu sein?
Meditativer Nachklang
„Unter dem Ginsterstrauch“
In der Dunkelheit darf sein, was ist.
Die Müdigkeit.
Die Überforderung.
Das „Ich kann nicht mehr“.
Du musst jetzt nichts tun.
Du darfst dich hinlegen.
Und schlafen.
Und vielleicht –
vielleicht
wacht morgen
etwas in dir auf,
das heute noch schläft.
Für alle,
die Lust haben auf mehr:
Gedanken und Bausteine,
die übrig blieben
beim Vorbereiten
Manchmal bleiben beim Vorbereiten der Andachten oder Predigten ein paar Gedankensplitter übrig.
Sie passen irgendwie nicht so richtig hinein, aber sie sind zu schade, sie zu vergessen.
Hier finden Sie etwas davon.
Gedankensplitter:
Frage: Was bedeutet der Ginsterstrauch in 1. Könige 19?
Der Ginsterstrauch (hebräisch rotem) ist ein wüstentauglicher Strauch, der in kargen Regionen wächst. Er spendet nur spärlichen Schatten – keine üppige Zuflucht, sondern Überlebensvegetation.
Elia wählt bewusst keinen großen Baum, sondern diesen kümmerlichen Busch. Das zeigt: Er sucht keine Heimat, sondern einen Ort zum Sterben.
Der Ginsterstrauch wird in der Bibel oft mit Einsamkeit und Elend verbunden (Psalm 120,4; Hiob 30,4).
Elia ist am Ende – geografisch, sozial, innerlich. Der Busch ist kein Schutzraum, sondern ein Ort der Kapitulation.
Theologisch wichtig: Gott holt ihn nicht aus der Wüste heraus, sondern kommt zu ihm unter dem Ginsterstrauch. Gott begegnet uns nicht erst, wenn wir stark sind – sondern genau dort, wo wir kraftlos sind.