Abendandacht – Buß- und Bettag / Hoffnung
Guten Abend, schön, wieder bei Ihnen zu sein.
Und schön, dass Sie heute Abend hier sind.
Hoffnung – dieses Thema wird uns in den kommenden Wochen begleiten,
bis in die Adventszeit hinein.
Und wir beginnen heute damit.
Am Buß- und Bettag.
Ausgerechnet…
Buß- und Bettag… klingt nach einem Tag aus einer anderen Zeit.
Ein bisschen nach Kirchenbank, schlechtem Gewissen und grauem November.
Buße, das klingt nach Moralin und Staub.
Nach Strafe und Verurteilung.
Und ich weiß: Viele von uns haben genug schlechtes Gewissen für ein ganzes Leben.
Wir brauchen keinen Tag, der uns noch mehr davon auflädt.
Aber vielleicht brauchen wir einen Tag, der uns hilft, anders hinzuschauen.
Denn dort, wo wir bei Buße an Bestrafung denken – an Bußgeld und Büßergewand –
da meint das biblische Wort metanoia (so heißt das griechische Wort, das wir oft mit Buße übersetzen)
etwas völlig anderes:
Umkehr. Perspektivwechsel. Richtungswechsel.
Also: Anhalten.
Schauen, wo ich stehe.
Nicht immer schneller rennen im Leben,
sondern fragen: In welche Richtung laufe ich eigentlich?
Buße heißt nicht: „Ich bin furchtbar.“
Buße heißt: Ich höre auf, mir etwas vorzumachen.
Wo spüre ich: So wollte ich eigentlich nicht leben?
Wo habe ich mich eingerichtet – im Zynismus, im Dauerstress, in Bequemlichkeit?
In ungesunden Beziehungen? Auch zu mir selbst?
Diese Fragen sind unbequem.
Manchmal schmerzhaft.
Aber immer auch befreiend.
Und hier – genau hier – passt die Hoffnung rein.
Denn biblische Spiritualität meint nicht:
„Du musst brav sein, Gott gefallen, lieb sein.“
Als müsste ich erst umkehren, um Gottes Kind zu sein.
Nein.
Gerade weil Gott mich trägt, kann ich einen realistischen Blick auf mein Leben wagen.
Ich muss nicht an den schwierigen Strukturen meines Lebens festhalten.
Hoffnung ist keine Vertröstung.
Hoffnung ist der Leitstern, der schon jetzt leuchtet.
Sie gibt mir Mut, altes loszulassen und neues zu wagen.
Sie sagt: Du darfst hinschauen – ohne Angst, zerbrochen zu werden.
Du darfst ehrlich sein – ohne verloren zu gehen.
Und so ist es gut, dass wir heute am Buß- und Bettag anfangen, über Hoffnung zu reden.
Weil Hoffnung mit dem ehrlichen Blick beginnt.
Zwei Gedanken möchte ich Ihnen mitgeben:
Erstens:
Wo ist es wichtig, dass Sie mal anhalten und sich fragen:
Wo will ich hin? Wo renne ich immer schneller – und habe eigentlich mein Ziel aus dem Blick verloren?
Zweitens:
Was gibt mir Mut, diesen ehrlichen Blick zu wagen?
Welche Hoffnung gibt mir Kraft, mich damit zu beschäftigen?
In den kommenden Wochen lade ich Sie ein, diesen Blick zu wagen.
Diese Gedanken finden Sie auch auf meiner Website: mitmenschpfarrer.de 🌱
(mehr Infos und Impulse zum Buß- und Bettag gibt es hier)
Fragen zur persönlichen Reflexion
für das eigene Nachdenken,
das Tagebuch
oder ein vertrauensvolles Gespräch
- „Wenn dein Leben gerade eine Wüste ist – welche Art von Wüste ist es?“
(Stille, Einsamkeit, Erschöpfung, Orientierungslosigkeit, Dürre…)
Und wo könnte in dieser Wüste – vielleicht ganz klein – schon eine sprudelnde Quelle sein? - „Welche drei Dinge in deinem Leben laufen auf Autopilot – Du hast dich in schwierigen Situationen eingerichtet und du merkst es gar nicht mehr?“
(Beziehungen, Arbeit, Gewohnheiten, Glaubenssätze…)
Und welches davon würdest du gerne mal ausschalten – wenn du dich trauen würdest?
Meditativer Nachklang
Gott
Danke, dass ich nicht perfekt sein muss, um vor dir zu stehen.
Danke, dass du mich hältst – jetzt. Genau so, wie ich bin.
Gott, ich höre dein Wort: „Siehe, ich mache Neues.“
Ich sehe es noch nicht.
Aber ich vertraue dir einen Schritt.
Hilf mir, einen neuen Weg zu gehen – mit dir.
Ich muss nicht alles auf einmal ändern.
Aber ich darf anfangen.
Heute.
Amen. 🌱
Für alle, die Lust haben auf mehr:
Gedanken und Bausteine,
die übrig blieben beim Vorbereiten
Manchmal bleiben beim Vorbereiten der Andachten oder Predigten ein paar Gedankensplitter übrig.
Sie passen irgendwie nicht so richtig hinein, aber sie sind zu schade, sie zu vergessen.
Hier finden Sie etwas davon.
Gedankensplitter 1: Buße ist kein Kniefall – sondern ein Richtungswechsel
„Metanoia – das (griechische) biblische Wort für Buße – meint nicht ‚Es tut mir leid‘, sondern: Sinneswandel, Perspektivwechsel, Richtungswende.“
Buße ist mehr ein Umzug des Herzens
als ein Kniefall vor der Moral.
Die Bibel erzählt Buße nie isoliert, sondern immer im Rahmen von Gottes Treue und Barmherzigkeit. Jesus sagt: „Das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt.“ Die Reihenfolge ist entscheidend: Nicht „Kehrt um, damit Gott euch vielleicht annimmt“, sondern „Gottes Reich kommt euch entgegen – deshalb kehrt um.“
Buße ist Antwort auf ein bereits geöffnetes Herz Gottes, nicht Bedingung dafür.
Das macht den Unterschied zwischen Zwang und Freiheit.
Gedankensplitter 2: Hoffnung ist keine Vertröstung – sie hat Boden unter den Füßen
„Hoffnung ist kein Warten auf später. Hoffnung ist das Vertrauen, dass Gott jetzt schon am Werk ist.“
Hoffnung ist nicht passiv. Hoffnung ist nicht: auf dem Sofa sitzen und warten, dass Gott was macht. Hoffnung ist das Vertrauen, dass Gott schon am Werk ist – und dass ich mitmachen darf.
Nicht als Retter meines Lebens. Nicht als der, der alles im Griff haben muss. Sondern als Mitgehender mit dem, der Wege bahnt.
Biblische Hoffnung ist beides: Sie sieht die Wüste – und sie sieht die Ströme, die Gott schon anlegt. Sie benennt das Exil – und sie hört: „Ich mache Neues.“
Das ist biblische Hoffnung: Nicht Träumen vom Später.
Sondern Mitgehen im Jetzt.
Nicht Vertröstung.
Sondern Vertrauen, dass Gott schon am Werk ist – auch wenn du es noch nicht siehst.