Ich halte einen Moment inne.
Jetzt bin ich hier. Hier in diesem Raum, in dieser Stunde. Wie bin ich hier? Was trage ich mit in diesen Morgen? Was liegt auf meiner Seele – schwer oder leicht?
Ich spüre nach: Wie schaut Gott mich heute an – mich, so wie ich gerade bin? Mit Freundlichkeit, Güte, Barmherzigkeit, vielleicht sogar mit einem Lächeln.
Ich halte meine Hände vor mich.
In meiner einen Hand liegt all das, für das ich dankbar bin: meine Gaben, meine Erfolge, das, was mir leichtfällt, worauf ich stolz sein kann.
In der anderen Hand sammle ich, was mir schwerfällt: meine Unsicherheiten, meine Lebensfragmente, die Um- und Irrwege meines Lebens.
Ich lege meine Hände ineinander
Ich umarme in mir das Starke und das Schwache, das Gesunde und das Kranke, den Glauben und den Zweifel, das Helle und das Dunkle. Beides gehört zu mir. So hat Gott mich geschaffen – als ganzen, einzigartigen Menschen.
In diesem Innehalten berühre ich den heiligen Raum auf dem Grund meiner Seele. Dort muss ich nicht ganz sein. Dort darf ich sein, wie ich bin.
Und von dort – aus dieser Stille – bin ich verbunden: mit Gott, der das Zerrissene in mir hält, mit den Menschen hier im Raum, mit denen, die mir nahe stehen, auch mit denen, zu denen ich keinen Zugang finde.
Und noch weiter: In dieser Stunde feiern Menschen auf der ganzen Welt Gottesdienst – in kleinen Kapellen und großen Kathedralen, in Sprachen, die ich nicht kenne, in Traditionen, die mir fremd sind. Und doch dasselbe: Sie halten inne. Sie öffnen sich. Sie suchen. So wie ich jetzt. Ich bin nicht allein – nicht in diesem Raum, nicht auf dieser Welt.
Ich öffne meine Hände nach unten
Ich überlasse alles der Barmherzigkeit Gottes. Die Schönheit und den Schmerz, die Kostbarkeit und das Fragmentarische meines Lebens. Auch die Unruhe, die ich nicht abstellen kann. Auch das, was sich nicht beruhigt. Ich vertraue mich ihm an – nicht weil ich still genug bin, sondern weil er mich findet, wie ich bin.
Ich strecke mich aus nach oben – zum Himmel, zum Licht, zu Gott.
Herr, kehre ein in dieses Haus meiner Seele, in dieses Haus unserer Gemeinschaft, in dieses Haus um uns. Dein Friede sei über uns, dein Atem in uns – mitten in allem, was uns bewegt.
Amen.