Klinikseelsorge im Evangelischen Dekanat Nassauer Land

Autor: Matthias Schmidt

Du wirst gesegnet – mit allem, was du bist


Gott, wie Vater und Mutter, segnet dich

– dein Lachen und dein Weinen.

– dein Vertrauen und dein Zweifeln

– die Fülle und den Mangel deines Lebens


Jesus, Heiland und Erlöser, segnet dich 

– deine Freunde und deine Feinde

– deine Schönheit und deine Wunden

– dein Vergehen und dein Auferstehen mitten im Leben


Heilige Geistkraft, Windhauch und Feuer, segnet dich

– deine Leidenschaft und deine Müdigkeit

– dein Tun und dein Lassen

– die Kraft deiner Hände und deines Herzens


So segnet dich Gott in allem was du bist, 
damit du in allem selbst Segen bist. Amen

Du bist der Morgen und der Abend

Gebet im Stehen mit Gesten der Arme








Ein Moment, bevor der Tag beginnt

Ich halte einen Moment inne.

Jetzt bin ich hier. Hier in diesem Raum, in dieser Stunde. Wie bin ich hier? Was trage ich mit in diesen Morgen? Was liegt auf meiner Seele – schwer oder leicht?

Ich spüre nach: Wie schaut Gott mich heute an – mich, so wie ich gerade bin? Mit Freundlichkeit, Güte, Barmherzigkeit, vielleicht sogar mit einem Lächeln.



Ich lege meine Hände ineinander

Ich umarme in mir das Starke und das Schwache, das Gesunde und das Kranke, den Glauben und den Zweifel, das Helle und das Dunkle. Beides gehört zu mir. So hat Gott mich geschaffen – als ganzen, einzigartigen Menschen.

In diesem Innehalten berühre ich den heiligen Raum auf dem Grund meiner Seele. Dort muss ich nicht ganz sein. Dort darf ich sein, wie ich bin.
Und von dort – aus dieser Stille – bin ich verbunden: mit Gott, der das Zerrissene in mir hält, mit den Menschen hier im Raum, mit denen, die mir nahe stehen, auch mit denen, zu denen ich keinen Zugang finde.

Und noch weiter: In dieser Stunde feiern Menschen auf der ganzen Welt Gottesdienst – in kleinen Kapellen und großen Kathedralen, in Sprachen, die ich nicht kenne, in Traditionen, die mir fremd sind. Und doch dasselbe: Sie halten inne. Sie öffnen sich. Sie suchen. So wie ich jetzt. Ich bin nicht allein – nicht in diesem Raum, nicht auf dieser Welt.


Ich öffne meine Hände nach unten

Ich überlasse alles der Barmherzigkeit Gottes. Die Schönheit und den Schmerz, die Kostbarkeit und das Fragmentarische meines Lebens. Auch die Unruhe, die ich nicht abstellen kann. Auch das, was sich nicht beruhigt. Ich vertraue mich ihm an – nicht weil ich still genug bin, sondern weil er mich findet, wie ich bin.


Ich strecke mich aus nach oben – zum Himmel, zum Licht, zu Gott.

Herr, kehre ein in dieses Haus meiner Seele, in dieses Haus unserer Gemeinschaft, in dieses Haus um uns. Dein Friede sei über uns, dein Atem in uns – mitten in allem, was uns bewegt.

Amen.

Segen für die Nacht. Segen für den Tag.

Segen für die Nacht

Sei behütet in der Nacht,
mit den Menschen, die zu Dir gehören.
Sei getrost, ob Du wachst oder schläfst.
Sei gesegnet in Deinem Schlaf mit erholsamer Ruhe.
Sei gesegnet in Deinem Wachen mit freundlichen Gedanken.
Amen


Segen für den Tag


Sei gesegnet mit Mut für das, was heute kommt
Sei gesegnet mit Neugier auf die Begegnungen des Tages.
Sei gesegnet mit Hoffnung für die Menschen, die Dir lieb sind.
Sei gesegnet mit Kraft, so zerbrechlich und klein sie auch sein mag.
Vergiss nicht: Du bist gesegnet.
Amen

Sie sind es wert. Ein Segen für Sie.


Was es bedeutet, gesegnet zu werden – und warum Sie sich einen Segen wünschen dürfen


Ein Segen ist keine Zauberformel. Keine Garantie für ein leichtes Leben.
Aber er ist ein Versprechen.

Ein leises, kraftvolles Versprechen: Gott steht dir zur Seite. Er wünscht dir Gutes. Er sagt dir: Du darfst sein, wie du bist.

Das Wort „Segen“ kommt vom lateinischen benedicere – „Gutes sagen“. Ein Segen ist ein Wort, das Ihrem Leben zugute kommt. Ein Wort, das sagt: Sie dürfen sein. Sie dürfen sich selbst gehören. Sie sind wichtig.

Das älteste Segen der Bibel

Vor über 3000 Jahren wurden diese Worte zum ersten Mal gesprochen:

„Der Herr wende dir sein Angesicht freundlich zu und gebe dir Frieden.“ Numeri 6,26 – BasisBibel

Die Botschaft: Gott schaut Sie an. Nicht gleichgültig. Nicht urteilend. Nicht mit Anforderungen. Sondern mit Frieden. Er sagt Ihnen: Sie sind wahrgenommen. Sie sind wichtig.
Diese Botschaft ist nicht alt geworden.

Was ein Segen nicht ist

Ein Segen ist kein Schutzschild. Er bewirkt nicht automatisch, dass Schmerz oder Enttäuschung verschwinden. Er repariert kein zerbrochenes Leben.

Segen sagt nicht: „Alles wird leicht.“ Er sagt: „Gott sieht dich. Du bist nicht allein. Gerade jetzt. Gerade hier.“

Wenn der Boden wankt

Ein Segen verändert nicht unbedingt Ihre Umstände. Aber er verändert, wie Sie sie durchgehen können.
Er gibt Ihnen keine Antworten. Aber er gibt Ihnen Halt.
Auch dann, wenn Sie sich schwach fühlen. Gerade dann.

Dürfen Sie sich einen Segen wünschen?

Vielleicht fragen Sie sich: Darf ich das überhaupt?
Die Antwort ist: Ja.

Ein Segen ist kein Privileg für besonders fromme Menschen. Er ist ein Geschenk für alle. Er braucht keinen Mut, ihn zu empfangen – und doch bedeutet er, für einen Moment die Kontrolle abzugeben. Zu sagen: Ich brauche etwas, das ich mir selbst nicht geben kann. Das ist keine Schwäche. Das ist Weisheit.

Was passiert, wenn jemand segnet

Wenn Ihnen jemand einen Segen zuspricht, geschieht etwas Einfaches.
Sie werden nicht belehrt. Nicht bewertet. Nicht verbessert. Sie werden angeschaut – und es wird Ihnen Gutes zugesprochen.

Manchmal legt die segende Person Ihnen eine Hand auf die Schulter. Manchmal steht sie vor Ihnen, ohne Sie zu berühren. Es gibt keine feste Form. Aber es gibt eine Haltung:
Sie sind es wert.

Auch Sie können segnen

Wer gesegnet wird, kann auch für andere zum Segen werden.
Das bedeutet nicht, fromme Worte sprechen zu müssen. Manchmal reicht ein Blick. Einem Menschen zu zeigen: Ich sehe Dich. Du bist mir wichtig. Ein aufmerksames Zuhören ohne Ratschlag. Eine kleine Geste.
Das ist Segen in seiner einfachsten Form.

Ein Segen – für Sie, jetzt

Falls Sie gerade keinen Menschen haben, der Ihnen einen Segen zuspricht, hier ist ein Segenswort für Sie:

Dein Weg komme dir freundlich entgegen. Gottes Licht leite Dich, auch wenn es dunkel ist. Sein Friede wohne in Dir – heute und an jedem neuen Tag.

Sie sind gesehen. Sie sind wertvoll. Sie sind gesegnet.

Abendmeditation: Meine Hände sind wie eine Schale


1) Ankommen

Setz dich aufrecht hin. Stell die Füße flach auf den Boden.

Lass Schultern und Gesicht weich werden.
Atme ruhig – und sage beim Ausatmen leise: „Hier bin ich.“

2) Empfangen

Öffne deine Hände im Schoß, Handflächen nach oben – wie eine Schale.
Atme weiter – und sprich innerlich beim Ausatmen: „Ich empfange.“
Lege innerlich in diese Schale, was heute zu dir kam:
Worte, Begegnungen, kleine Zeichen der Hoffnung.
Frag dich: Was habe ich heute empfangen – durch Worte, Gesten, Gegenwart?

Gebet:Gott, du schenkst mir durch andere, was ich brauche.
Ich danke dir für alle, die hier arbeiten und für mich sorgen:
für ihre Geduld, ihre Fachkenntnis, ihre Menschlichkeit.
Segne sie und bewahre ihre Kraft.

3) Bewahren

Lege deine Hände auf dein Herz. Spür den warmen Druck deiner Berührung.
Atme weiter – und sprich innerlich beim Ausatmen: „Es ruht in mir.“
Frag dich: Was hat mir heute gutgetan?Was möchte ich im Herzen bewahren – wie einen kostbaren Schatz?
(Stille)
Denke an die Menschen, die du im Herzen trägst.

Gebet:Gott, du kennst die, die ich im Herzen trage.
Bewahre sie, wo immer sie sind.
Schenke ihnen, was sie heute brauchen.

4) Segnen

Heb die Hände vor dein Herz, Handflächen leicht nach vorn geöffnet – ein kleines, klares Segenszeichen.
Atme weiter – und sprich beim Ausatmen: „Segen über dir.“
Nimm Menschen in den Blick, die mit dir für eine Zeit verbunden sind: Patient:innen, Angehörige,

Gebet:Gott, segne alle, die hier mit mir in diesem Haus sind–
die Fragenden, die Erschöpften, die Hoffenden.
Lass sie spüren, dass sie nicht allein sind.
Sei bei denen, die neu in diesem Haus ankommen,
dass sie hier einen geschützten Raum finden
für ihre Wunden an Leib und Seele
und Menschen, die sie willkommen heißen.
Sei bei denen, die in diesen Tagen von hier fortgehen.
Lass Sie bewahren, was Ihnen wichtig geworden ist.

5) Loslassen – Hände nach unten

Dreh die Handflächen nach unten – gib die Schwere an die Erde ab.
Atme weiter – und sprich beim Ausatmen: „Ich lasse los.“
Benenne still, ohne Erklärungen:
Was war heute schwer?
Was kann ich nicht tragen?

Gebet:Gott, du bist da.
Das genügt.
Ich vertraue Dir alles an.
Segne die Nacht.
Schenke erholsamen Schlaf denen, die schlafen,
und friedvolle Gedanken denen, die wachen.

6) Ruhen – Hände im Schoß

Lass die Hände locker im Schoß ruhen.
Erlaube dem Atem, natürlich zu werden.

Alles, was Dir wichtig ist,
kannst Du Gott anvertrauen in dem Gebet Jesu:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

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