Klinikseelsorge im Evangelischen Dekanat Nassauer Land

Kategorie: Vaterunser

Ein Haus in dem ich mich berge – Vaterunser 1

Ein altes Haus muss man Ein Haus in dem ich mich berge – Vaterunser 1

Einmal hatte sich Jesus zurückgezogen, um zu beten.
Als er sein Gebet beendet hatte
bat ihn einer seiner Jünger:
»Herr, sag uns, wie wir beten sollen.
Auch Johannes hat seine Jünger beten gelehrt.«

Da sagte Jesus zu ihnen:
»Wenn ihr betet, dann so:
Vater, dein Name soll geheiligt werden.
Dein Reich soll kommen.
Gib uns heute unser tägliches Brot.
Und vergib uns unsere Schuld – denn auch wir vergeben allen,
die an uns schuldig werden.
Stell uns nicht auf die Probe.«


Lukas, Kapitel 11
Die Bibel in der Übersetzung der Basis-Bibel.


I)
Ein altes Haus muss man nicht verstehen, um darin Schutz zu finden.
Man tritt ein. Man lässt sich vom Dach bedecken. Das reicht.
Doch irgendwann möchte ich das Haus erkunden.
Die Räume, die ich betrete.
Die Geschichte der Menschen, die darin gelebt haben.

So ist es mit dem Vaterunser, diesem uralten Gebet.
Worte, in denen ich mich bergen kann.
Man tritt ein. Man lässt sich vom Dach bedecken. Das reicht.
Aber es kommt der Zeitpunkt, dieses alte Haus zu erkunden.
Die Räume zu entdecken.
Die Geschichte der Menschen, die es bewohnt haben vor mir
In den kommenden Wochen möchte ich mit Ihnen auf Entdeckungsreise gehen.
Welche Worte im Vaterunser tragen mich?
In welchen kann ich mich bergen?
Welche Worte lösen Widerstände aus?
Welche sind mir einfach nur fremd?


II)
Die Geschichte dieses Gebets beginnt wohl auf einer staubigen Straße, irgendwo in Galiläa vor 2000 Jahren.
Die Menschen, die mit Jesus dort unterwegs waren, haben irgendwann gespürt:
Dieser Mensch hat eine Verbindung zu etwas, das uns fehlt. Sie sahen, wie er immer wieder innehielt. Wie er sich zurückzog. Wie er – in aller Stille – etwas fand, das ihn trug. Und irgendwann fragten sie ihn, während sie miteinander unterwegs waren:

Lehre uns das auch. Dein Beten.

Keine ungewöhnliche Bitte.
Jeder Rabbiner, jeder geistliche Lehrer, gab dies an die Menschen weiter, die ihm folgten.
Was er ihnen gab, war kein langer Text. Keine Anleitung. Keine Theologie.
Nur ein paar Worte.
Sie lernten diese Worte.
Sie geben sie weiter an andere.
Irgendwann schrieb jemand sie auf.
Irgendwann wurden sie in andere Sprachen übersetzt.
Das Gebet des Rabbiners Jesus,
Ging durch Raum und Zeit, durch Kulturen und Sprachen.
Bis zu uns.


III)

Und in diesen Worten – das ist vielleicht das Merkwürdigste – kann man sich bergen.
Nicht weil man alles versteht, was darin steckt.
Nicht weil man alles fühlt, was andere darin gefühlt haben.

Sondern einfach: weil dieser Text so alt ist. Weil er schon so vieles getragen hat.
Weil er nicht erst dann trägt, wenn man bereit ist.

Hildegard von Bingen hat diese Worte gesprochen.
Dietrich Bonhoeffer – in einer Gefängniszelle.
Der Vater, der in Südafrika sein krankes Kind tröstet.
Die junge Frau in Indien, die vor einer schweren Entscheidung steht.
Sie alle beten mit uns dieses Gebet.
Sie alle lassen sich in diese Worte fallen.

Und diese uralten Worte, die Jesus seinen Jüngerinnen und Jüngern mitgegeben hat,
irgendwo auf einem Feldweg in Galiläa,
begleiten uns heute noch,
In unserem Gottesdienst hier im Eurythmiesaal,
In unseren Zimmern
Beim Spaziergang draußen im Wald.

Das ist eine Erfahrung, die sich durch zweitausend Jahre zieht – geflüstert, gestammelt, manchmal kaum hörbar. In Kathedralen und in Krankenzimmern. In der Nacht, wenn die Sorgen größer sind als der Schlaf.


IV)
Ein altes Haus muss man nicht verstehen, um darin Schutz zu finden.
Man tritt ein. Man lässt sich vom Dach bedecken. Das reicht.
Aber es kommt der Zeitpunkt, dieses alte Haus zu erkunden.
Die Räume zu entdecken.
Die Geschichte der Menschen, die es bewohnt haben vor mir
Dazu lade ich Sie ein.


Jemand hat sie zuerst gesprochen.
In einer Sprache, die niemand mehr spricht.
In einer Nacht, die niemand mehr kennt.

Seitdem wandern sie.
Von Mund zu Mund.
Von Jahrhundert zu Jahrhundert.
Durch Freude und durch Asche.

Sie wurden übersetzt
und dabei verändert.
Sie wurden ergänzt
und dabei bewahrt.
Sie wurden geflüstert, wenn die Stimme versagte.
Gestammelt, wenn die Worte fehlten.
Manchmal kaum noch: ein Atemzug.

Und trotzdem –
sie haben gehalten.

Nicht weil sie perfekt sind.
Nicht weil alle, die sie sprachen, verstanden, was sie meinten.

Sondern weil in alten Worten
etwas wohnt,
das größer ist
als jede einzelne Stimme,
die sie je gesprochen hat.

Ein Haus, das schon stand,
bevor du geboren wurdest.
Dessen Tür offensteht.

Nicht für die, die alles wissen.
Sondern für die, die müde sind.
Für die, die suchen.
Für die, die einfach eintreten –
und einen Moment lang
stillhalten wollen.

Vielleicht bist du das.
Heute Abend.
Jetzt.


für das eigene Nachdenken,
das Tagebuch
oder ein vertrauensvolles Gespräch

  1. Gibt es im Vaterunser ein Wort, einen Satz, eine Zeile – die sich anfühlt wie ein Ort, an dem man einen Moment ausruhen könnte?
  2. Gibt es einen Moment in Ihrem Leben, in dem Sie sich – ohne es vielleicht so zu nennen – geborgen gefühlt haben? Nicht weil alles gut war. Sondern einfach: getragen. Was war damals da?

Manchmal bleiben beim Vorbereiten der Andachten oder Predigten ein paar Gedankensplitter übrig. Sie passen irgendwie nicht so richtig hinein, aber sie sind zu schade, sie zu vergessen.
Hier finden Sie etwas davon.

„Abba“ – ein Wort, das keine Übersetzung kennt

Jesus hat dieses Gebet auf Aramäisch gelehrt – der Sprache des Alltags, nicht der Tempel. Das aramäische Wort für Vater ist Abba. Es ist kein formeller Titel. Es ist das Wort, das ein Kind benutzt. Vertraut, direkt, fast ein bisschen frech gegenüber allem religiösen Ernst.
Wie würde ich Gott ansprechen?
Ehrfurchtsvoll? Kindlich-vertraut?
In welche Situation passt welche Anrede?

Zwei Versionen – und keine ist „die richtige“

Das Vaterunser ist gleich zweimal in der Bibel überliefert – bei Matthäus und bei Lukas. Und die beiden Texte sind nicht identisch. Lukas ist kürzer, schlichter. Matthäus strukturierter, fast symmetrisch. Welcher ist der „echte“? Wahrscheinlich keiner von beiden – und beide. Schon die ersten Gemeinden haben das Gebet weiterentwickelt, angepasst, ergänzt. Der Abschluss „Denn dein ist das Reich…“ steht gar nicht im ältesten Text – er wurde aus dem Alten Testament übernommen und hinzugefügt. Das Gebet war von Anfang an lebendig. Kein Monument, sondern ein Gespräch, das weitergeht.
Dass es 2000 Jahre durch Raum und Zeit, durch Sprachen und Kulturen ging zeigt: Mehr braucht es nicht. Oder?

Rapsfeld

Vaterunser 3. Wo wohnt Gott?

Dritter Gedankengang zur Vaterunser-Reihe: „Im Himmel“


1. Was Jesus mit „Himmel“ meint

Vaterunser im Himmel. Wohnt da Gott? Im Himmel? was heißt das?

Diese Frage führt uns direkt zu Jesus und seinem Verständnis vom Himmel. Wenn Jesus betet: „Vater unser im Himmel“ – wie mag das in seiner Muttersprache, dem Aramäischen, geklungen haben? Forscher vermuten, er hätte „bishmayya“ gesagt. Das wäre ein Plural – nicht der eine Himmel irgendwo da oben, sondern Himmel in vielen Dimensionen. Wörtlich also: „Vater unser in den Himmeln“.

Im Englischen gibt es eine hilfreiche Unterscheidung: „sky“ meint den sichtbaren Himmel über uns, „heaven“ steht für die göttliche Wirklichkeit. Im Deutschen sprechen wir für beides einfach vom „Himmel“ – und denken zu schnell an Wolken statt an Wirklichkeit.

Denn Jesus meint nicht die Wolken über uns, sondern eine göttliche Realität, die uns umgibt, in uns lebt und durch uns hindurchwirkt.


2. Der Himmel in meiner Seele

Paulus bringt es auf den Punkt: „Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen“ (2 Kor 4,7, Lutherbibel 2017).

Irdene Gefäße, das sind keine polierten Prunkstücke, sondern einfache Tonkrüge. Zerbrechlich. Rissig. Unvollkommen. Genau dort, sagt Paulus, wohnt der Schatz. Gottes Geist in uns.

Himmel, das ist nicht ein Ort hinter den Sternen, sondern ein Raum in uns, in dem Gott wohnt – gerade weil wir brüchig sind. Weil, nicht obwohl.

Das ist keine romantische Idee, sondern eine spirituelle Erfahrung, die immer wieder neu entdeckt wird. Ein innerer Ort der tiefsten Verbindung mit dem Göttlichen. Nicht „sky“, sondern „heaven“, ganz nah bei mir.


3. Wo spüre ich diesen Himmel?

Doch wie finde ich diesen Himmel in mir? Wo merke ich: Gott wohnt in meiner Seele?

Vielleicht kennen Sie solche Momente aus Ihrem Leben: Momente der Stille, in denen etwas in Ihnen aufatmet. Wenn Sie spüren: Ich bin nicht allein. Manchmal auch in dunklen Zeiten, wenn Sie erahnen: Da ist noch etwas Tieferes in mir als der Schmerz.


4. Raum schaffen für den Himmel

Wie können Sie solchen Momenten mehr Raum geben? Wie können Sie Platz machen für den Himmel?

Der große Mystiker Johannes vom Kreuz sprach von der „Nacht der Seele“. Nicht als Strafe, sondern als Übergang: die Einladung, alte Bilder und Vorstellungen loszulassen, damit Neues wachsen kann. Manchmal heißt das: innerlich aufräumen. Überholte Gottesbilder verabschieden. Nicht alles kontrollieren müssen.

Vielleicht beginnt es mit einfachen Schritten: Stille zulassen – einfach da sein. Dem eigenen Atem zuhören – dem Rhythmus des Lebens. Dankbar sein für kleine Schönheiten. Das sind keine großen Taten, aber sie öffnen Türen nach innen.


5. Gott will wohnen, nicht beeindrucken

„Wie kann Gott in mir wohnen?“ – das ist keine Frage der Leistung. Gott zieht nicht erst dann ein, wenn Sie perfekt sind. Er ist längst da. Er wartet, bis Sie ihn entdecken.

Stellen Sie sich vor, Sie leben in einem Haus, aber haben nie alle Räume betreten. Sie kennen vielleicht das Erdgeschoss gut – doch da gibt es noch mehr zu entdecken. In diesen unbekannten Räumen Ihrer Seele wartet Gott schon.

Still. Geduldig. Ohne Eile. Wie ein guter Freund, der einfach da ist, bis Sie Zeit zum Reden haben.


6. Einladung: Den Himmel in mir entdecken

„Vater unser im Himmel“. Das ist kein Blick nach oben, sondern eine Einladung, nach innen zu schauen. Den Raum in Ihrer Seele zu entdecken, in dem Gott wohnt. Nicht, um etwas zu erreichen. Sondern um zu spüren: Da ist mehr in mir, als ich geahnt habe.

Vater unser in den Himmeln. Das beten wir. Und vielleicht entdecken wir dabei: Dieser Himmel ist näher, als wir dachten.



FRAGEN ZUR VERTIEFUNG

Für die persönliche Meditation, das Tagebuch oder ein gutes Gespräch:

1. Gibt es einen Ort – innen oder außen – wo Sie sich wirklich zu Hause fühlen? Einen Ort, wo Sie ganz Sie selbst sein können. Was macht diesen Ort zu einem Raum, in dem Sie aufatmen? Und: Welche Qualität dieses äußeren Ortes tragen Sie vielleicht schon in sich?

2. Wenn Sie sich vorstellen, Ihre Seele wäre ein Haus: Welche Räume kennen Sie gut. Und welchen Raum würden Sie gerne als nächstes betreten? Was vermuten Sie, wartet dort auf Sie?

3. Stellen Sie sich vor, Sie wachen morgen auf, und etwas in Ihnen ist ruhiger, offener, weiter. Woran würden Sie das zuerst merken? Was würde sich verändern – in Ihnen, in Ihrem Tag?


GEBET

Gott, du Geheimnis in mir. Ich spüre dich manchmal kaum. Und manchmal, ganz unverhofft, bist du da: eine Stille, die trägt.

Hilf mir, Platz zu schaffen. Nicht durch Anstrengung, sondern durch Offenheit. Lass mich die Räume in mir entdecken, die ich noch nie betreten habe.

Zeige mir den Himmel in meiner Seele, der schon da ist, bevor ich ihn suche.

Amen.


PSALMMEDITATION

Psalm vom Himmel in mir

Du bist näher als mein eigener Herzschlag, und doch entzieht du dich.
In der Stille meiner Seele höre ich dich atmen.

Wenn das Lärmen nicht aufhört, führst du mich nach innen, zu dem Ort, wo Frieden wohnt, auch wenn außen Sturm ist.

Du bist nicht nur über mir. Du bist in mir.
Nicht nur im Licht. Auch in meiner Dunkelheit.

Lass mich heute spüren: Der Himmel ist nicht weit. So nah wie mein nächster Atemzug. So wahr wie meine Sehnsucht nach dir.


SEGEN

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft wohne in den stillen Räumen deiner Seele.

Die Liebe Christi, die tiefer reicht als alle Verletzung, erschließe dir den Himmel in deinem Herzen.

Die Kraft des Heiligen Geistes, die sanfter ist als alle Gewalt, schaffe Platz in dir für das Göttliche.

So segne dich der dreieinige Gott.

Amen.

Der Vater, die Quelle, die göttliche Kraft? Vaterunser 2

Impuls zur Vaterunser-Reihe: „Zwischen Himmel und Herz“


„Vater unser im Himmel…“

Diese ersten Worte des bekanntesten Gebets der Welt sind für viele nicht einfach fromme Routine. Sie berühren etwas tief in uns. Manchmal zärtlich, manchmal schmerzhaft. Denn das Wort „Vater“ trägt die ganze Bandbreite menschlicher Erfahrung in sich: die Sehnsucht nach Geborgenheit ebenso wie die Erinnerung an Enttäuschung, an Abwesenheit, vielleicht sogar an Gewalt.
Manche können dieses Gebet nicht sprechen. Wegen dieser beiden ersten Worte.

Jesus wusste das. Als er seine Jünger lehrte, Gott mit „Abba“ anzureden – einem aramäischen Wort, das etwa unserem „Papa“ entspricht –, war das ungewöhnlich.
Nicht weil niemand vor ihm Gott als Vater angesprochen hätte. Ungewöhnlich war die Selbstverständlichkeit, mit der Jesus diese Beziehung lebte und lehrte.

Im Gleichnis vom verlorenen Sohn zeigt Jesus uns einen Vater, der alle Konventionen sprengt – der rennt. Ein orientalischer Patriarch läuft aber nicht. Er wartet würdevoll, bis man sich ihm nähert. Ich stelle mir vor, wie die Zuhörer Jesu schmunzelten über diesen alten Mann.
Und nun sagt Jesus:

„Schon von weitem sah der Vater ihn kommen. Er hatte Mitleid mit seinem Sohn. Er lief ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.“
(Lukas 15,20, BasisBibel)

Hier ist ein Vater, der nicht auf seine Würde pocht, sondern auf die Liebe setzt. Der nicht straft, sondern feiert. Der nicht Moral predigt, sondern sich freut über die Heimkehr.

Für viele Menschen ist das heilsam. Gerade für die, die schwierige Vatererfahrungen gemacht haben, kann die Begegnung mit diesem anderen Bild etwas in Bewegung bringen. Es geht nicht darum, Schmerz zu verdrängen oder zu verharmlosen. Es geht darum zu entdecken, dass es jenseits menschlicher Unzulänglichkeit eine Quelle der Liebe gibt, die nicht versiegt.

Und doch weiß die Bibel um die Grenzen jedes Bildes. Die Bibel ist voller unterschiedlicher Metaphern für Gott: als Mutter, die tröstet („Ich will euch trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet“, Jesaja 66,13), als Fels, als Quelle, als Licht. Gott lässt sich nicht in einem einzigen Bild fassen. Obwohl manchmal bestimmte Bilder für uns wichtig werden.

Aber das Bilderverbot des Alten Testaments mahnt uns:
Gott ist größer als unsere Bilder.
Das Vaterbild ist ein Fenster –
nicht die ganze Wirklichkeit.

Wir können und dürfen Gott nicht festlegen auf bestimmte Bilder.
Das Vaterunser beginnt deshalb nicht mit einem Dogma, sondern mit einer Einladung. Wir dürfen „Vater“ sagen – oder „Mutter“, „Quelle“, „Kraft“. Wir dürfen uns bergen lassen in dem, was größer ist als unsere Angst, stärker als unsere Sorge, tragfähiger als unsere Zweifel.
Ganz gleich, welches Bild von Gott uns gut tut.

Es ist ein Gebet uns einlädt, zu entdecken, zu zweifeln, zu vertrauen – und die eigenen Bilder zu finden. Und sie wieder loszulassen, wenn sie zu eng geworden sind.


Inspiriert haben mich zu diesen Gedanken der Beitrag von Evelyne Baumberger zum Beginn des Vaterunsers.


ABENDGEBET

Du, dessen Name größer ist als alle Worte,
und der doch nah ist wie ein Atemzug
wir legen diesen Tag in deine Hände.
Das Schwere, das wir getragen haben.
Das Gute, das wir fast übersehen hätten.
Lass uns in der Stille dieser Nacht spüren:
Wir müssen nicht festhalten. Wir sind gehalten.
Schenk uns Ruhe. Und morgen: einen neuen Anfang.
Amen.


SEGEN

Gott segne dich mit dem Vertrauen,
dass du nicht fallen kannst aus dieser Liebe heraus –
wie immer du sie auch nennst.

Gott segne dich mit der Freiheit,
deine eigenen Worte zu finden
für das, was größer ist als deine Angst.

Gott segne dich mit der Stille,
in der du spürst: Du bist gemeint.
Du bist willkommen. Du bist zuhause.

So segne dich der lebendige Gott –
Vater, Mutter, Quelle, Freund –
heute und in den Tagen, die kommen.

Amen.


FRAGEN ZUM NACHDENKEN –

fürs Tagebuch oder ein Gespräch

1. Welches Bild für das Göttliche lässt Sie aufatmen – nicht das, das Sie gelernt haben, sondern das, das sich für Sie richtig anfühlt? Was ist es an diesem Bild, das Sie nährt?

2. Wenn Sie das Vaterunser für sich persönlich neu beginnen dürften – mit welchen Worten würden Sie anfangen? „Mutter unser…“, „Du, der du mich hältst…“, „Quelle des Lebens…“ – was käme Ihnen in den Sinn?

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