Klinikseelsorge im Evangelischen Dekanat Nassauer Land

Kategorie: Songs

Über sieben Brücken – und einer geht mit

Über sieben Brücken – und einer geht mit

Osterpredigt zu Lukas 24,13–35


  • Ein Lied – und eine seltsame Nähe zu Ostern
  • Manchmal scheint die Uhr des Lebens still zu stehn

    Manchmal scheint man immer nur im Kreis zu gehen

    Dieses Lied „Über sieben Brücken“ hat Helmut Richter geschrieben. Ein Leipziger Schriftsteller.
    Später hat Karat, damals eine der angesagten DDR-Bands, daraus ein Lied gemacht.
    Und Peter Maffay hat erzählt, wie er dieses Lied zum ersten Mal im Radio hörte und dachte: Was ist das für ein schönes Lied? Es hat ihn getroffen, noch bevor er wusste, von wem es war. Und viele kennen es heute von beiden Bands, von Karat und von Peter Maffay.

    Doch eigentlich ist es ein seltsames, ja zumindest ungewöhnliches Lied, das wir hier im Ostergottesdienst singen.
    Nichts von Gott darin.
    Nichts von Jesus.
    Nichts von Auferstehung.
    Keine Engel, kein leeres Grab.

    Nur: der lange Weg. Die Müdigkeit. Das Suchen. Das Vermissen. Das Leben, das sich manchmal schwer anfühlt.

    Und doch ist da in diesem Lied eine Ahnung.

    Siebenmal wirst du die Asche sein –

    aber einmal auch der helle Schein.

    Das ist eine existentielle Wahrheit. Es gibt Zeiten, in denen man sich wie Asche fühlt. Ausgebrannt. Grau. Müde. Ohne Glanz. Ohne Kraft. Und trotzdem bleibt irgendwo die Hoffnung, dass das nicht alles war.


  • Wir aber hatten gehofft – der Weg nach Emmaus
  • Schauen wir mal auf die biblische Geschichte, die uns heute auch begleitet.
    Wir haben sie vorhin in der Lesung gehört.
    Auch da fühlt es sich zuerst nicht nach Ostern an.

    Zwei Jünger, zwei Freunde von Jesus, sind auf dem Weg nach Emmaus, einem kleinen Dorf. Zwei Stunden Fußweg von Jerusalem entfernt.

    Es ist wie eine Flucht. Weg von Jerusalem. Weg von dem Ort, an dem ihre Hoffnung zerbrochen ist. Weg von den schrecklichen Erinnerungen an den Tod Jesu. Weg auch von allem, was sie getragen hatte.

    Sie gehen.
    Und sie reden.
    Sie reden über das, was geschehen ist. Über Jesus. Über die Hoffnung, die sie mit ihm verbunden hatten. Über den Tod. Über das Ende.
    Und dann sagen sie diesen einen Satz, der alles in sich trägt:

    Wir aber hatten gehofft.

    Mehr Trauer passt kaum in einen Satz.
    Wir hatten gehofft.
    Dass es anders wird.
    Dass er bleibt.
    Dass Gott handelt.
    Dass das Leben stärker ist.

    Wir aber hatten gehofft.

    Vielleicht kennen Sie diesen Satz auch.
    Nicht genau mit diesen Worten. Aber als Lebensgefühl.
    Ich hatte gehofft, dass es leichter wird.
    Ich hatte gehofft, dass ich wieder zu Kräften komme.
    Ich hatte gehofft, dass die Angst kleiner wird.
    Ich hatte gehofft, dass das, was zerbrochen ist, heil wird.

    Und nun gehen sie. Müde. Enttäuscht. Leer.
    Asche.
    Vielleicht liegt gerade darin die Nähe zu diesem Lied.
    Das Lied spricht nicht von Helden. Nicht von Siegern. Sondern von Menschen, die ihre Straße manchmal ohne Blick gehen. Von Menschen, die müde sind schon am Morgen. Von Menschen, die Trost suchen.

    So gehen auch diese beiden nach Emmaus.
    Nicht strahlend.
    Nicht sieghaft.
    Nicht österlich.
    Eher wie Menschen, die sich das Schöne zurückwünschen.

    Manchmal wünsch ich mir mein Schaukelpferd zurück.

    Die Sehnsucht nach einer Zeit, in der das Leben einfacher war. Heller. Geborgener. Nicht so zerrissen.
    Die Emmausjünger wünschen sich den Jesus zurück, den sie kannten. Den Jesus vor Karfreitag. Den Jesus ihrer Hoffnung.


  • Einer geht mit – und wird erkannt
  • Und während sie so gehen, kommt einer dazu.
    Wir als Leser wissen schon längst: Das ist der Auferstandene.
    Jesus.
    Nur die beiden mit ihren Augen voller Trauer, sie erkennen ihn nicht.

    Jesus selbst kam hinzu und ging mit ihnen.

    Einfach so.
    Nicht mit Glanz.
    Nicht mit Posaunen.
    Nicht mit Osterfanfare.
    Er geht einfach mit.
    Das ist vielleicht das Erste, was wir an Ostern lernen können: Der Auferstandene kommt nicht immer so, wie wir ihn erwarten.

    Die Jünger erwarten vielleicht das Große.
    Das Eindeutige. Den Beweis. Den Durchbruch.
    Aber er kommt als Weggefährte.
    Als einer, der fragt.
    Als einer, der zuhört.

    „Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs?"
    So fragt er.
    Und dann erzählen sie. Alles. Ihre Enttäuschung. Ihre Trauer. Ihre ratlose Hoffnungslosigkeit. Sogar von den Frauen erzählen sie, die am Morgen am Grab gewesen waren. Als hätten sie selbst noch kein Verhältnis dazu.

    Und der Begleiter hört zu.
    Sie kommen nach Emmaus. Der Abend senkt sich. Und Jesus tut so, als wolle er weitergehen.
    Da sagen sie:

    Bleib bei uns. Denn es will Abend werden.

    Sie setzen sich zu Tisch. Er nimmt das Brot. Er spricht das Dankgebet. Er teilt es. Er gibt es ihnen.
    Und in diesem Augenblick gehen ihnen die Augen auf.
    Sie erkennen ihn.
    Nicht unterwegs schon.
    Nicht in der Erklärung.
    Nicht im richtigen Gedanken.
    Sondern in dieser vertrauten Geste.
    Und dann ist er verschwunden.

    Aber jetzt kommt der eigentliche Ostersatz dieser Geschichte.

    Die beiden sagen:

    Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege?


  • Glut unter der Asche – Ostern als entdecktes Licht
  • Da ist sie wieder, die Sprache des Liedes.

    Siebenmal wirst du die Asche sein –

    aber einmal auch der helle Schein.

    Und die Jünger entdecken plötzlich:
    Unter der Asche war die ganze Zeit Glut.

    Brannte nicht unser Herz?

    Nicht: Wurde unser Leben sofort leicht.
    Nicht: Waren alle Fragen geklärt.
    Nicht: War der Schmerz einfach weg.

    Sondern: Unter der Asche war noch Glut.
    Das Leben war nicht fort.
    Die Hoffnung war nicht tot.
    Sie war verschüttet. Verdeckt. Fast erloschen.

    Aber nicht aus.

    Das ist für mich ein tiefes Osterbild.
    Ostern ist manchmal nicht das große Feuerwerk.
    Manchmal ist Ostern die entdeckte Glut unter der Asche.
    Vielleicht ist das auch näher an unserem Leben.
    Vielleicht erleben die wenigsten von uns Auferstehung als großen Durchbruch. Als plötzliche Klarheit. Als hellen Ostermorgen.

    Aber vielleicht kennen wir diese anderen Momente.
    Ein Gespräch, nach dem etwas in uns wärmer ist.
    Eine Begegnung, nach der wir aufatmen.
    Eine vertraute Geste.\

    Ein Satz, der uns trifft.
    Ein Lied, das uns findet.

    So ist es manchmal mit Gott.
    Er trifft uns, bevor wir ihn einordnen können.
    Er geht mit, bevor wir ihn erkennen.
    Er ist da, bevor wir den richtigen Namen für ihn haben.

    Und erst im Rückblick sagen wir vielleicht:
    Ja.
    Da war etwas.
    Da war mehr.
    Da war Leben.
    Da war Gott.

    Und dann geschieht noch etwas.
    Die beiden bleiben nicht sitzen.
    Sie brechen noch in derselben Stunde wieder auf.
    Zurück nach Jerusalem.
    Zurück in die Nacht.
    Zurück zu den anderen.

    Das ist auch Ostern:
    Dass Menschen wieder aufstehen.
    Nicht weil alles gelöst wäre.
    Sondern weil etwas in ihnen wieder lebendig geworden ist.
    Nicht dass alles schon hell ist.
    Sondern dass das Licht schon da ist.
    Unter der Asche.
    Mitten in uns.
    Weil er an unserer Seite geht.

    Amen.


    Quellenangaben

    Liedtext:

    „Über sieben Brücken musst du geh’n"

    Text: Helmut Richter (1933–2019)

    Musik: Ulrich „Ed" Swillms

    © 1978 Karat / Edition Peters

    Interpretiert von Karat (1978) und Peter Maffay (1980)

    Bibeltext:

    Lukas 24,13–35 (Lutherbibel 2017 / BasisBibel)


    Zwei Fragen zur persönlichen Meditation

    1. Wo in meinem Leben fühle ich mich gerade wie Asche – ausgebrannt, grau, ohne Glanz?

      Und: Gibt es vielleicht unter dieser Asche noch eine verborgene Glut, die ich noch nicht bemerkt habe?

    2. Wann habe ich zuletzt gespürt: „Brannte nicht mein Herz?" – einen Moment, in dem ich erst im Rückblick gemerkt habe, dass Gott da war?

      Was war das für ein Moment? Und was hat ihn mir geöffnet?


    Meditation: Unter der Asche

    Stille. Atem. Ankommen.

    Ich sitze hier.
    Mit allem, was ich mitbringe.
    Mit der Müdigkeit.
    Mit der Sehnsucht.
    Mit dem, was ich mir zurückwünsche.

    Manchmal fühle ich mich wie Asche.
    Grau. Ohne Glanz. Ohne Kraft.
    Als wäre das Feuer erloschen.

    Aber vielleicht ist das nicht die ganze Wahrheit.
    Vielleicht ist unter der Asche noch Glut.
    Verdeckt. Verschüttet. Fast erloschen.
    Aber nicht aus.

    Vielleicht war Gott die ganze Zeit da.
    Nicht laut. Nicht eindeutig.
    Sondern leise. Als Weggefährte.
    Als einer, der mitgeht.

    Vielleicht brannte mein Herz.
    Und ich habe es erst jetzt bemerkt.

    Stille.

    Gott,
    du bist das Feuer unter meiner Asche.
    Du bist das Licht, das noch da ist.

    Unter der Oberfläche.
    Mitten in mir.

    Lass mich das spüren.
    Nicht als großes Feuerwerk.
    Sondern als kleine, warme Glut.
    Die reicht.

    Amen.


    Zwei exegetische Gedanken (die in der Predigt keine große Rolle spielen)

    1. Nur einer der beiden Jünger hat einen Namen

    In Lukas 24,18 wird nur Kleopas namentlich genannt. Der zweite Jünger bleibt anonym.

    Warum?

    Die Exegese diskutiert mehrere Möglichkeiten:

    • Literarisch: Der namenlose Jünger ist eine Identifikationsfigur – jede Leserin, jeder Leser kann sich selbst in ihn hineindenken. Vielleicht setzen Sie Ihren Namen für ihn ein!
    • Historisch: Möglicherweise war der zweite Jünger eine Frau – vielleicht die Frau des Kleopas (vgl. Johannes 19,25: „Maria, die Frau des Kleopas"). Das würde erklären, warum sie nicht namentlich genannt wird (patriarchale Erzählkonvention).
    • Theologisch: Die Anonymität unterstreicht: Diese Geschichte ist nicht nur für die Apostel, sondern für alle, die unterwegs sind.

    Für die Predigt:

    Dieser Gedanke stärkt die Einladung: Du bist gemeint. Du gehst diesen Weg. Du bist der zweite Jünger.


    2. Die Emmaus-Erzählung ist lukanisches Sondergut

    Die Geschichte steht nur bei Lukas – weder Matthäus noch Markus noch Johannes erzählen sie.

    Warum ist das wichtig?

    • Lukas hat ein besonderes Interesse an Weggeschichten (vgl. Lk 9,51: „Jesus machte sich auf den Weg nach Jerusalem"; Apg 9: Paulus auf dem Weg nach Damaskus).
    • Lukas betont: Christusbegegnung geschieht unterwegs – nicht im Tempel, nicht in der Synagoge, sondern auf der Straße, im Alltag, im Gehen.
    • Die Emmaus-Erzählung ist eine Schule des Erkennens: Wie erkenne ich den Auferstandenen? Nicht durch Beweise, sondern durch Präsenz, Schrift und Brotbrechen.

    Für die Predigt:

    Dieser Gedanke stärkt die Aussage: Gott begegnet uns nicht nur in heiligen Räumen, sondern mitten im Leben – auf dem Weg, im Gespräch, im Alltag.

    Weite Landschaft in Neuseeland – Symbol für Aufbruch und die Jahreslosung 2026

    Jahreslosung 2026: Was John Lennon und Johannes gemeinsam haben

    Bibeltext

    Offenbarung 21,5

    Gott spricht: „Siehe, ich mache alles neu“

    Die Jahreslosung 2026 ist ein Satz, der nach Zukunft schmeckt. Aber was meint er – und was nicht? Wer spricht hier? Und was heißt „neu“, wenn die Welt so alt aussieht?

    Auf der Schwelle zum neuen Jahr begleiten uns zwei Menschen. Beide heißen John. Beide sind Träumer. Und beide träumen am Ende dasselbe: Eine Welt ohne Tränen.


    Zwei Träumer und die Jahreslosung 2026

    Der eine ist John Lennon. Liverpool. Der Beatle mit der runden Brille. 1971 setzte er sich ans Klavier und sang von einer Welt ohne Himmel, ohne Besitz, ohne Grenzen, ohne Religion. Ein Traum in Moll. Radikal diesseitig. Kein Gott, der rettet – nur Menschen, die endlich aufhören, sich gegenseitig zu zerstören.

    1980 wurde er vor seinem Haus in New York erschossen.

    Der andere ist Johannes. Der Verbannte. Er saß auf Patmos, einer Felseninsel in der Ägäis. Seine Gemeinde war verfolgt, Freunde waren ermordet worden. Die Welt war voller Gewalt.

    Und dort, im Staub des Exils, sah er etwas: Den Himmel, der auf die Erde kommt. Und er hörte eine Stimme: „Siehe, ich mache alles neu.“

    Das ist die Jahreslosung für 2026.

    Was wäre, wenn die beiden sich begegnen würden? Hier, auf dieser Schwelle?


    „Imagine“ trifft „Siehe“ – ein Gespräch über Hoffnung

    Lennon lehnt am Klavier. Er dreht sich um und sagt:

    „Euer Problem ist, dass ihr wartet. Ihr starrt in den Himmel und wartet auf einen Gott, der irgendwann alles richtet. Und währenddessen? Verhungern Kinder. Werden Kriege geführt. Foltert einer den anderen. – Streich den Himmel. Dann fangen die Menschen vielleicht an, sich um die Erde zu kümmern.“

    Johannes schweigt einen Moment. Dann sagt er:

    „Ich habe nicht gesagt, wir sollen warten. Da steht: ‚Siehe.‘ Schau hin. Nicht: Warte ab.“

    „Schau wohin?“

    „Dahin, wo es schon geschieht. Wo jemand einem Fremden einen Teller hinstellt. Wo einer nachts aufsteht, weil der andere weint. Wo Menschen einander nicht loslassen, obwohl es einfacher wäre.“

    Lennon winkt ab.

    „Das ist nett. Aber nett reicht nicht gegen Panzer.“

    „Nein“, sagt Johannes. „Reicht es nicht.“

    Stille.

    „Aber es ist nicht nichts.“


    Warum Hoffnung nicht Vertröstung ist

    Es wird still zwischen den beiden.

    Dann fragt Lennon, leiser jetzt:

    „Wenn dein Gott alles neu macht – warum ist die Welt dann so? Warum die Tränen? Warum stirbt ein Kind an Hunger, während dein Gott auf dem Thron sitzt?“

    Johannes schließt die Augen. Er denkt an seine Insel. An die Nächte, in denen er nicht wusste, ob morgen noch jemand von seinen Leuten lebt.

    „Das habe ich mich auch gefragt“, sagt er. „Oft. Laut. Und es kam keine Antwort.“

    „Und dann?“

    „Dann kam nicht die Antwort. Dann kam ein Bild.“

    Er öffnet die Augen.

    „Ich sah: ‚Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.‘ – Hör genau hin, John. Da steht nicht: Es gibt keine Tränen. Da steht: Er wischt sie ab. Eine nach der anderen. Er berührt den Schmerz. Er macht ihn nicht ungeschehen. Er geht hindurch.“

    Lennon schüttelt den Kopf.

    „Die Tränen müssen aufhören. Nicht abgewischt werden. Aufhören.“

    Johannes nickt langsam.

    „Ja. Und genau das steht da auch: ‚Der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein.‘ (Offb 21,4) – Aber ich lüge dich nicht an: Ich weiß nicht, wann.“

    „Das ist ein ziemlich dünnes Versprechen.“

    Johannes lächelt nicht.

    „Ja. Manchmal ist es das. Und manchmal ist es alles, was mich hält.“


    Anfangen dürfen – ohne die Welt retten zu müssen

    Lennon schaut den alten Mann an.

    „Und wenn eure Zeichen zu klein sind? Wenn das Teller-Hinstellen und Tränen-Abwischen nicht reicht?“

    „Dann ist es gut, dass nicht ich es bin, der alles neu macht.“

    „Was meinst du?“

    „Ich meine: Ja – wir können teilen. Wir können Frieden stiften. Wir können einander halten. Und das ist nicht nichts. Das ist wirklich Gottes Handeln, durch uns.

    Aber Gottes Handeln ist größer. Er macht neu – auch dort, wo wir nicht mehr können. Wo die Kraft ausgeht. Wo die Zeichen verwehen.“

    Lennon schweigt lange.

    Dann sagt er, fast widerwillig:

    „Du glaubst, dass du anfangen kannst. Aber die Welt nicht retten musst.“

    „Genau. Das glaube ich. Das ist meine Hoffnung. Ich darf anfangen. Und Gott vollendet.“

    „Und wenn er es nicht tut?“

    Johannes antwortet nicht sofort. Er atmet. Dann sagt er:

    „Dann halte ich an dem fest, was ich gesehen habe. Mehr habe ich nicht.“


    Was „Stell dir vor“ und „Siehe“ verbindet

    Zwei Träumer. John und Johannes. Ich weiß nicht, ob eine Begegnung zwischen ihnen so verlaufen wäre.

    Aber ihre Träume verbindet viel.

    Wo der eine sagt: „Stell dir vor“ – sagt der andere: „Siehe.“

    Der eine träumt von unten nach oben: Was wäre, wenn wir den Himmel streichen und endlich hier anfangen? Der andere sieht von oben nach unten: Der Himmel kommt herab. Auf die Erde. Zu den Menschen.

    Und doch sehen beide dasselbe: Dass es so, wie es ist, nicht bleiben muss.

    Aber Johannes glaubt noch etwas: Dass Gottes Handeln größer ist als unsere Zeichen. Dass er neu macht – auch wo wir scheitern. Dass er trägt – auch wo wir loslassen müssen.

    Und das macht die kleinen Zeichen nicht kleiner. Das macht sie freier.


    Die Jahreslosung 2026 mitnehmen

    Wir stehen auf der Schwelle. Und uns begleitet diese Zusage:

    „Siehe, ich mache alles neu.“

    Gott macht neu. Er hat längst angefangen.

    Und weil er größer ist als unsere Zeichen, können wir anfangen.
    Amen.


    Fragen zur persönlichen Reflexion
    für das eigene Nachdenken,
    das Tagebuch
    oder ein vertrauensvolles Gespräch

    1. „Siehe, ich mache alles neu“ – wenn Sie diesem Satz einen kleinen Raum in Ihrem Alltag geben würden: Was wäre der erste, vielleicht kleinste Schritt?

    2. Was in Ihnen darf sein, ohne sich ändern zu müssen – gerade jetzt, auf dieser Schwelle?


    Auf der Schwelle

    Eine Schwelle. Hinter dir liegt etwas – Tage, Wochen, ein ganzes Jahr vielleicht. Vor dir liegt etwas ohne Namen.

    Du stehst dazwischen.

    Und auf dieser Schwelle hörst du eine Stimme. Nicht laut. Eher wie ein Atemzug.

    Siehe. Ich mache alles neu.

    Nicht du. Nicht deine Kraft.

    Ich.

    Das Neue kommt nicht von dir. Es kommt auf dich zu. Wie der Morgen kommt. Wie ein Atemzug, den du nicht erzwingen kannst.

    Vielleicht spürst du Widerstand. Lass ihn da sein. Hoffnung, die keine Fragen kennt, ist billig. Hoffnung, die durch Fragen hindurchgeht, trägt.

    Du stehst auf der Schwelle. Aber nicht allein.

    Da ist etwas, das dich hält. Größer als deine Zeichen. Älter als deine Zweifel.

    Es hat längst angefangen.


    Für alle, die Lust haben auf mehr: Gedanken und Bausteine, die übrig blieben beim Vorbereiten.

    Was bedeutet „Siehe, ich mache alles neu“ (Offenbarung 21,5)?

    Das griechische Wort für „neu“ ist kainós. Es meint nicht „neu“ im Sinne von „unbenutzt“ (néos), sondern „andersartig, verwandelt, qualitativ anders“. Gott restauriert nicht den alten Zustand – er schafft etwas grundlegend Neues, bei gleichzeitiger Kontinuität. Das Alte wird nicht ausgelöscht, sondern verwandelt. Diese Vorstellung ist zentral für die jüdisch-christliche Hoffnung: Nicht Flucht aus der Welt, sondern Erneuerung der Welt.


    Was ist der „neue Himmel und die neue Erde“?

    In Offenbarung 21,1 greift Johannes auf eine Tradition aus Jesaja 65,17 zurück. Die Vision beschreibt keine räumliche Trennung zwischen „oben“ (Himmel) und „unten“ (Erde), sondern eine Durchdringung: Gottes Wirklichkeit kommt zur Erde. Der „Tempel“ verschwindet, weil Gott selbst bei den Menschen wohnt (Offb 21,22). Diese Vorstellung ist radikal: nicht Weltflucht, sondern Weltverwandlung. Gott gibt die Schöpfung nicht auf – er macht sie heil.


    Warum sitzt Johannes auf Patmos im Exil?

    Johannes, der Seher der Offenbarung, befand sich auf der Insel Patmos in der Ägäis – vermutlich als Verbannter unter römischer Herrschaft. Patmos war in der Antike ein Ort der Verbannung für politische oder religiöse Dissidenten. Johannes war Teil einer verfolgten christlichen Minderheit. Seine Vision entstand also nicht in Sicherheit, sondern in existenzieller Bedrohung. Das verleiht dem Text eine besondere Kraft: Hoffnung nicht trotz, sondern mitten in der Krise.


    Wer war John Lennon und was meinte er mit „Imagine“?

    John Lennon (1940–1980), Mitglied der Beatles, schrieb 1971 den Song „Imagine“. Der Text entwirft eine Welt ohne Religion, Besitz und Nationalstaaten – ein humanistischer Traum von Frieden durch Verzicht auf Ideologien. Sein Ansatz war radikal diesseitig: Frieden nicht durch Transzendenz, sondern durch Abbau trennender Strukturen. Der Song wurde zur Hymne pazifistischer Bewegungen, bleibt aber theologisch umstritten, weil er Hoffnung ausschließlich im Menschen verortet.
    Damit bleibt er eine Herausforderung und eine Inspiration für Christen.

    Bibelzitate:
    Lutherbibel, revidiert 2017, © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.
    BasisBibel, © 2021 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

    Imagine (John Lennon, 1971) – Text und Musik: John Lennon – © Lennon Music / Sony/ATV Music Publishing LLC (heute: Sony Music Publishing)

    Lass es geschehen.

    Eine Andacht zum Ewigkeitssonntag mit „Let It Be“

    Heute ist Ewigkeitssonntag.

    Ein Tag, der uns daran erinnert: Nichts bleibt, wie es ist.

    Beziehungen zerbrechen. Projekte scheitern. Menschen gehen.
    Und wir selbst – auch wir sind vergänglich.

    Das ist keine düstere Wahrheit. Es ist einfach das Leben.
    Aber es tut weh, das anzunehmen.

    Ich habe Ihnen angekündigt, dass wir heute über ein Lied sprechen – und es nachher auch gemeinsam singen werden.

    „Let It Be“ von den Beatles.

    Ein Lied, das viele von uns kennen. Ein Lied, das manchmal zur rechten Zeit kommt. Das uns berührt, ohne dass wir genau sagen können, warum.

    Es klingt wie ein Gebet – wie eine leise Ermutigung, die uns zuflüstert:
    Lass los. Vertraue.


    Die Erfahrung des Verlusts

    Paul McCartney schrieb „Let It Be“ im Jahr 1969, in einer Zeit voller Spannungen.

    Die Beatles standen kurz vor der Trennung. Vier Freunde, die gemeinsam die Welt verändert hatten, konnten nicht mehr zusammen sein. Es ging um Geld, um Macht, um unterschiedliche Lebenswege.

    Die Band, die für eine ganze Generation stand, zerbrach.

    McCartney war verzweifelt. Er hatte Schlafstörungen, fühlte sich deprimiert und überfordert. Die Welt um ihn herum wurde lauter, hektischer, konfliktreicher.

    Und er spürte: Alles, was ihm wichtig war, hatte keinen Bestand mehr.

    Mitten in dieser Unruhe hatte er einen Traum.

    Seine Mutter Mary – sie war gestorben, als er 14 war – erschien ihm im Traum.

    Und sie sprach zu ihm: Lass es geschehen. Es wird gut. Mach dir keine Sorgen.

    Paul erwachte mit einem tiefen Frieden.
    Und aus diesem Moment entstand das Lied.


    Eine alte Weisheit – in vielen Traditionen

    Was Paul McCartney in diesem Lied ausdrückt, ist keine neue Idee.
    Es ist eine uralte Weisheit, die in vielen Kulturen und Religionen zu finden ist.

    Im Buddhismus geht es darum, das Leben anzunehmen, wie es ist. Nicht gegen das Leiden anzukämpfen, sondern es als Teil des Lebens zu akzeptieren. Das befreit uns von unnötigem inneren Widerstand – und gibt uns Frieden.

    Auch die Stoiker, die alten griechischen Philosophen, kannten diese Weisheit. Sie sagten: Konzentriere dich auf das, was du ändern kannst. Und akzeptiere das, was du nicht ändern kannst. Das ist keine Resignation. Das ist Freiheit.

    Und dann – die Bibel.

    Maria sagt: „Mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ (Lukas 1,38)

    Sie kämpft nicht gegen Gottes Plan. Sie vertraut. Sie lässt sich fallen.

    Das ist keine passive Unterwerfung. Das ist aktives Vertrauen.

    Das ist christliche Spiritualität: Loslassen und sich halten lassen. Von Gott.

    Christlicher Trost heißt nicht nur: Ich akzeptiere, dass alles vergeht.
    Sondern: Ich vertraue darauf, dass Gott neues Leben schafft – über den Tod hinaus.

    Paul McCartney singt diese uralte Weisheit. In einem Popsong. In drei Minuten. Mit einfachen Worten.

    Und erreicht damit Millionen.


    Die Weisheit des Loslassens

    Lass es geschehen – das ist keine billige Vertröstung.
    Es ist eine Weisheit, die schwer zu lernen ist.

    Denn wir wollen oft alles festhalten: Unsere Gesundheit, unsere Beziehungen, unser Glück.

    Wir wollen, dass alles bleibt, wie es ist.

    Aber das Leben geht weiter.

    Und manchmal geht es darum, loszulassen.

    Nicht, weil es uns egal ist.
    Sondern weil wir spüren: Es gibt eine Kraft, die größer ist als unsere Angst.

    Vergänglichkeit anzunehmen bedeutet nicht, aufzugeben.

    Es bedeutet: Ich kämpfe nicht gegen das Unvermeidliche.
    Ich vertraue darauf, dass mein Leben gehalten ist – auch wenn ich nicht alles in der Hand habe.


    Hoffnung in dunklen Zeiten

    Vielleicht kennen Sie solche Momente.

    Nächte voller Sorgen, Tage voller Zweifel.
    Wo Sie sich fragen: „Wie soll es weitergehen?“

    Und dann kommt – vielleicht mitten in der Nacht – eine Stimme. Eine Eingebung. Ein Moment der Ruhe.

    Vielleicht ist es Gott.
    Vielleicht ist es eine Erinnerung an eine geliebte Person.
    Vielleicht ist es einfach ein leises Wissen: „Es wird gut. Nicht sofort. Aber irgendwann.“

    Das Lied spricht von Worten, die trösten. Von einem Licht, das auch in der dunkelsten Stunde scheint.

    Das ist keine naive Hoffnung.

    Das ist eine Hoffnung, die den Schmerz nicht leugnet.
    Aber sie gibt uns einen Anker. Einen festen Punkt. Mitten im Sturm.

    Es bedeutet nicht, dass der Schmerz verschwindet. Oder dass die Trauer leichter wird.

    Aber es bedeutet: Wir dürfen vertrauen.
    Wir dürfen darauf hoffen, dass unser Leben gehalten ist. Selbst in schwierigen Zeiten.


    Lass es geschehen

    Und vielleicht ist genau das Glaube:

    Nicht, dass immer alles gut läuft.
    Sondern dass wir wissen: Wir sind nicht allein.

    Also: Lass es geschehen. Lass dich halten.

    Gleich werden wir dieses Lied gemeinsam singen.

    Und vielleicht spüren Sie dann: Es ist mehr als ein Popsong.
    Es ist ein Gebet. Ein Trost. Eine Weisheit, die uns trägt.

    Lassen Sie uns einen Moment innehalten.

    Und spüren: Auch wenn vieles vergeht – wir sind geborgen.
    Bei Gott. In seiner Ewigkeit.

    Amen.


    Quellenhinweis:
    „Let It Be“ (The Beatles, 1970)
    Text und Musik: Paul McCartney
    © Sony/ATV Music Publishing LLC


    Fragen zur persönlichen Reflexion
    für das eigene Nachdenken,
    das Tagebuch
    oder ein vertrauensvolles Gespräch

    1. „Was macht Ihnen mehr zu schaffen: Die schwierige Situation selbst – oder Ihre Gedanken darüber?“
    2. „Wer oder was ist Ihre ‚Mother Mary‘ – die Stimme, die Ihnen in schweren Zeiten sagt: ‚Es wird gut‘?

    Meditativer Nachklang

    Gott,

    manchmal ist es schwer, loszulassen.
    Ich will festhalten, verstehen, kontrollieren.

    Aber du lädst mich ein:
    Lass es geschehen.

    Hilf mir, den Kampf aufzugeben.
    Den Kampf gegen das, was ich nicht ändern kann.

    Und wenn die Nacht mich überwältigt,
    lass mich deine Stimme hören:

    Es wird gut.
    Ich halte dich.

    Amen. 🌱


    Für alle, die Lust haben auf mehr:
    Gedanken und Bausteine,
    die übrig blieben beim Vorbereiten

    Manchmal bleiben beim Vorbereiten der Andachten oder Predigten ein paar Gedankensplitter übrig.
    Sie passen irgendwie nicht so richtig hinein, aber sie sind zu schade, sie zu vergessen.
    Hier finden Sie etwas davon.

    GEDANKENSPLITTER 1: Das Gelassenheitsgebet

    „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

    Dieses Gebet wird oft Reinhold Niebuhr zugeschrieben, einem amerikanischen Theologen, der es vermutlich in den 1930er-Jahren formulierte. Es wurde weltbekannt durch die Anonymen Alkoholiker, die es zu ihrem zentralen Gebet machten.

    Aber die Wurzeln sind älter. Bereits die antiken Stoiker – Philosophen wie Epiktet und Marc Aurel – lehrten diese Unterscheidung: Konzentriere dich auf das, was in deiner Macht liegt. Und akzeptiere, was außerhalb deiner Kontrolle ist.

    „Let it be“ singt genau diese Weisheit. Mit einfacheren Worten. Aber der Kern ist derselbe: Die Freiheit liegt nicht darin, alles zu kontrollieren. Sondern darin, loszulassen, was nicht zu ändern ist.

    Zum Weiterlesen:

    Epiktet: Handbüchlein der Moral (Stoische Philosophie)
    Reinhold Niebuhr (1892–1971): Gelassenheitsgebet („Serenity Prayer“), entstanden um 1942, überliefert aus einer Predigt in Heath, Massachusetts (1943) und einem Militärgebetbuch von 1944.

    Gedankensplitter 2: Die Kunst des Annehmens in der Bibel

    „Mir geschehe“ – ein Satz, der die Welt veränderte.

    Als der Engel Maria verkündet, dass sie schwanger werden soll, antwortet sie nicht mit Angst oder Widerstand. Sie sagt: „Mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ (Lukas 1,38)

    Das ist kein passives Sich-Fügen. Das ist aktives Vertrauen.

    Maria steht am Anfang einer langen biblischen Tradition des Annehmens:

    • Hiob, der im tiefsten Leid sagt: „Der HERR hat’s gegeben, der HERR hat’s genommen; der Name des HERRN sei gelobt.“ (Hiob 1,21)
    • Jesus in Gethsemane: „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“ (Lukas 22,42)
    • Paulus, der mit seinem „Stachel im Fleisch“ leben muss und lernt: „Lass dir an meiner Gnade genügen.“ (2. Korinther 12,9)

    „Let it be“ ist keine Erfindung der Beatles. Es ist eine uralte spirituelle Haltung: Gott, ich vertraue dir – auch wenn ich nicht verstehe.

    Zum Weiterlesen:

    Korinther 12,7-10: Paulus und die Gnade

    Lukas 1,26-38: Die Verkündigung an Maria

    Hiob 1-2: Annehmen im Leid

    Zwei Akkorde, eine Botschaft – Lady in Black als Friedenshymne

    Predigt zu „Lady in black“ und Engel als Hoffnungsboten


    I. Die Lady in Black erscheint

    Es ist das Jahr 1971.
    Die Rockband Uriah Heep landet mit „Lady in Black“ ihren größten Erfolg.

    Ken Hensley, der Keyboarder, erzählte später (so ist die „Bandlegende“):
    An einem stillen Sonntagmorgen sah er von seinem Hotelzimmer aus eine Frau.
    Ganz in schwarz gekleidet.
    Aufrecht, fast majestätisch schritt sie die Straße entlang.

    Ihre Erscheinung inspirierte ihn.
    Diese Frau in Schwarz, aufrecht und still.
    Sie schien aus einer anderen Welt zu kommen.

    Er setzte sich hin und schrieb die ersten Zeilen zu diesem Lied.

    In diesem Song begegnet ein Mensch in seiner Verzweiflung einer geheimnisvollen Frau.
    Sie gibt ihm Rat.
    Sie symbolisiert Hoffnung, Freundlichkeit und Weisheit – im Gegensatz zur Zerstörung, die ihn umgibt.

    Sie ist eine Hoffnungsgestalt in dunklen Zeiten.

    Und davon möchte ich heute sprechen.



    II. Die Botschaft: Gewalt sät Gewalt

    In dieser Zeit des Jahres steht für viele von uns der Gedanke an Frieden im Vordergrund.
    Volkstrauertag, Buß- und Bettag.
    Die Erinnerung an die Pogromnacht.
    Wichtige Gedenktage, die uns in den kommenden Wochen begleiten.
    Aber: in diesen Wochen geht es in vielen biblischen Texten auch um Engel.

    Und genau davon handelt dieser Song.

    Die Lady in Black will nicht an Kampf denken.
    An etwas, das Menschen ihre Menschlichkeit nimmt.
    Das so leicht beginnt – und kaum mehr zu beenden ist.

    Ken Hensley singt davon, wie Gewalt Menschen verändert.
    Wie schnell Hass gesät ist.
    Und wie schwer es ist, wieder Frieden zu finden.

    Das kennen wir auch aus unserem persönlichen Umfeld:
    Wie leicht ist ein Streit entflammt.
    Wie schwer ist es, ihn zu beenden.
    Wie schnell sind Gewalt und Hass gesät.
    Wie schwer ist es, Versöhnung zu stiften.

    In diesem Song will jemand seine Feinde vernichten.
    Soviel Gewalt ist in seinem Herzen.
    Aber er spürt: Eigentlich geht er in der Dunkelheit.

    Und dann begegnet ihm diese Frau in Schwarz.
    Sie rät ihm davon ab.
    Gewalt sät neue Gewalt.
    So einfach zu beginnen, schier unmöglich zu beenden.

    Sie ermutigt ihn, ihr zu vertrauen.
    Ihre Worte geben ihm die Kraft, einen anderen Weg zu suchen.

    In unseren Tagen wünsche ich mir diese Besonnenheit.
    Die nicht dem Ruf der Rache folgt, sondern andere Wege sucht.



    III. Wer inspiriert uns?

    Dieser Song lässt mich darüber nachdenken:
    Wer inspiriert uns in unserem Leben?

    Vielleicht nicht unbedingt eine Lady in Black.
    Aber gab es Menschen, die uns daran erinnern, was wichtig ist?
    Und was unwichtig?

    Menschen, die uns liebevoll, aber konsequent hinterfragen?
    Die uns auf einen Weg bringen, der neue Kraft gibt?

    Manchmal sind es Weggefährten auf Zeit.
    Manchmal müssen es auch keine Menschen sein.

    Es sind Lieder.
    Worte, die uns jemand sagt.
    Ein Buch, das uns begleitet.

    Für ein Stück Weg leuchtet ein Licht auf, das einen Weg zeigt – heraus aus unserer Dunkelheit.

    Am Ende des Songs bleibt eine Hoffnung:
    Vielleicht begegnet auch uns so eine Gestalt.
    Ein Mensch, ein Wort, ein Moment – der uns auf einen anderen Weg bringt.

    Weg von der Gewalt.
    Hin zur Versöhnung.



    IV. Die biblische Tiefe: Engel als Lebensboten

    Die Bibel erzählt von solchen Begegnungen.
    Von Menschen, die plötzlich auf einen anderen Weg kommen.

    Oft spricht sie dabei von Engeln.

    Nein, nicht die Männer mit Flügeln aus dem Barockgemälde.
    Sondern Boten der Gotteskraft.
    Menschen, Worte, Begegnungen – die unser Leben auf eine neue Spur setzen.

    Da ist Abraham, der drei Männer bewirtet.
    Fremde, die ihm eine Botschaft bringen.
    Erst später ahnt er: Das war mehr als ein Besuch.

    Da ist Jakob, der nachts am Fluss um sein Leben ringt.
    Mit einem, den er nicht sehen kann.
    Bis der Morgen kommt – und er verwandelt ist.

    Da ist Maria, die einen Gruß hört.
    „Fürchte dich nicht.“
    Und ihr Leben ändert sich für immer.

    So verstehe ich die Engel der Bibel:
    Boten des Lebens.
    Die uns inspirieren.
    Die uns manchmal – zum Glück – im Weg stehen.
    Aber immer als Hoffnungsträger.

    Keine Lichtgestalten aus einem anderen Universum.
    Sondern Menschen, die uns stärken.
    Tröstende Worte.
    Ermutigende Begegnungen.
    Inspirierende Lieder.

    Engel können vieles sein:

    Der Satz, der wieder Mut macht.
    Der Mensch, der uns nicht von sich stößt.
    Die Zeilen im Buch, die Wunden heilen.

    Manchmal ein Hindernis, das uns zum Umdenken zwingt.
    Manchmal ein Halt, an dem wir uns festhalten können.
    Das Wunder, das wir nicht erwartet haben.

    So verstehe ich auch diese Lady in Black.
    Als eine Engelsgestalt.
    Eine Hoffnungsbotin in dunklen Zeiten.

    Ein katholischer Freund, selbst Priester, sagte einmal zu diesem Lied:
    Für ihn sei es ein Song über Maria.
    Sie ist diese Lady in black,
    die einen Menschen begleitet und zum Frieden anstiftet.
    Eine Inspiration, die sie Menschen geben kann.

    Ich weiß nicht, ob der Papst diese Auffassung teilt.
    Und als Protestant frage ich da auch mal nach.
    Aber ich kann das gut stehen lassen.

    Denn im Grunde geht es genau darum:
    Um Begegnungen, die uns verwandeln.
    Die uns neue Wege zeigen.
    Die uns Mut machen.

    Und ich wünsche den Kriegstreibern, den Hasserfüllten,
    den Mutlosen und Verwirrten,
    den Suchenden und Neugierigen –
    ich wünsche ihnen einen solchen Engel.

    Der sie erkennen lässt, wie kostbar Frieden ist.
    Wie kostbar Hoffnung und Leben sind.

    Und ich wünsche das auch mir.
    Und Ihnen.



    V. Das Einfache und das Besondere


    Ein paar Gedanken zu einem Rocksong, die ich gerne mit Ihnen teilen wollte.

    Übrigens: es wird ja immer behauptet,
    dass Rockmuiker nur drei Akkorde spielen können.
    Dieses Lied beweist, dass dies eine haltlose Unterstellung ist.
    „Lady in Black“ kann man nur mit zwei Akkorden spielen.
    Damit gehört dieses Lied zu den simpelsten Hits der Rockgeschichte.

    Aber auch zu den besonderen.

    Manchmal braucht es nicht viel.
    Nur das Richtige zur richtigen Zeit.

    Eine Begegnung.
    Ein Wort.
    Ein Lied.

    Amen.


    Hintergrundinfos zum Song aus
    Wikipedia: Die freie Enzyklopädie. Lady in Black (Deutschland).
    URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Lady_in_Black_(Deutschland).
    Revision vom 23. September 2025, 15:47 Uhr. Zuletzt geprüft/Abgerufen am: 22. Oktober 2025.

    Quellenhinweis:
    „Lady in Black“ (Uriah Heep, 1971) – Text und Musik: Ken Hensley – © Dick James Music Ltd. / EMI Music Publishing (heute: Universal Music Publishing Group)


    Fragen zur persönlichen Reflexion
    für das eigene Nachdenken,
    das Tagebuch
    oder ein vertrauensvolles Gespräch

    1. Stellen Sie sich vor, eine „Lady in Black“ träte in Ihr Leben. Was würde sie Ihnen raten?
    2. Welche Begegnung, welches Wort oder welches Lied hat Sie in letzter Zeit berührt oder inspiriert?

    Meditativer Nachklang

    Gott,

    manchmal gehen wir in Dunkelheit.
    Manchmal tragen wir Wut und Schmerz in uns.

    Schick uns eine Begegnung,
    die uns inne halten lässt.
    Ein Wort, das uns Mut macht.
    Einen Menschen, der uns zeigt:
    Es gibt einen anderen Weg.

    Lass uns Engel sein für die, die sie brauchen.

    Und lass uns selbst welche finden,
    wenn wir sie am nötigsten haben.

    Amen.

    Vom Rockstar, der morgens um Zehn die Sehnsucht fand: Sailing und Psalm 42.“

    Bibeltext: Psalm 42,2-6 (BasisBibel)
    „Wie ein Hirsch nach Wasser lechzt, so sehnt sich meine Seele nach dir, Gott.
    Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott…“
    Mit Bezug zu Rod Stewarts „Sailing“



    Ich hatte es schon angekündigt. Wir singen es heute gemeinsam. Und es wird Teil der Predigt sein:
    Sailing. Rod Stewarts Song über das Segeln, über Heimkehr und Weite.

    Vielleicht geht es Ihnen wie mir. Irgendwie berührt Sie etwas bei diesem Lied.
    Eine Sehnsucht, die Sie nicht genau benennen können.
    Die Melodie, die von Aufbruch erzählt und gleichzeitig von Ankunft.

    Gavin Sutherland, der dieses Lied ursprünglich schrieb, sagte etwas Erstaunliches darüber:
    „Die meisten Leute denken, es geht um einen Mann, der übers Meer zu seiner Geliebten segelt. Aber das stimmt nicht.
    Es ist die Geschichte der spirituellen Odyssee des Menschen auf seinem Weg zur Freiheit und Erfüllung.“

    Genau diese Odyssee beschreibt auch der Psalmdichter vor dreitausend Jahren.
    Psalm 42 beschreibt die spirituelle Sehnsucht als eine Kraft, die uns trägt und uns lebendig macht.
    Genau wie Rod Stewarts „Sailing“ erzählt der Psalm von einer Odyssee, die uns verwandelt, auch wenn wir noch unterwegs sind.

    Die Sehnsucht

    Stellen Sie sich diesen Hirsch vor.
    Ein Geschöpf in der Weite einer Steppenlandschaft, das die Quelle sucht.
    Sein ganzer Körper ist ausgerichtet auf dieses eine: frisches Wasser finden.

    So beschreibt der Psalm unsere Seele.
    Diese ganze Person, die Sie sind.
    Mit unseren Sehnsüchten und Träumen, unseren Hoffnungen und unseren Fragen.

    Kennen Sie dieses Sich-Ausstrecken?
    Dieses Suchen?

    Nach einem Moment der Ruhe.
    Nach einem guten Wort.
    Nach einem Tag, an dem alles sich leichter anfühlt.
    Nach Leben, das sich anfühlt wie Leben.
    Nach etwas, das größer ist als wir selbst.
    Diese Sehnsucht ist nicht das Problem.
    Sie ist das Zeichen, dass wir lebendig sind.

    Aber dann kommt auch der Bruch:
    „Meine Tränen sind mein Brot bei Tag und bei Nacht. Denn man sagt ständig zu mir: Wo ist er denn nun, dein Gott?“
    Die Sehnsucht wird manchmal nicht gestillt.
    Die Sehnsucht scheint auf Leere zu treffen.

    Aber manchmal entstehen die echtesten Momente gerade dann,
    wenn wir uns am verletzlichsten fühlen.
    Wenn wir nicht mehr versuchen, perfekt zu sein,
    sondern einfach nur echt.

    So war es auch bei der Entstehung dieses Songs.
    Rod Stewart. Rockstar. Nachtmensch durch und durch.
    Steht morgens um halb elf im Studio in den Muscle Shoals Studios.
    Früh. Für ihn sehr früh.

    Der Produzent Tom Dowd hatte ihn aus dem Bett geklingelt.
    „Komm sofort ins Studio“, hatte er gesagt.
    Keine Zeit für Aufwärmen, keine Zeit für Rockstar-Allüren.
    Vor ihm saßen die Muscle Shoals Rhythm Section.
    Seine Band für diese Nummer.
    Allesamt Legenden.
    Musiker, die mit Aretha Franklin und Wilson Pickett gearbeitet hatten.
    Stewart sagte später: Er war eingeschüchtert. Nervös.
    Und genau da, in dieser Verletzlichkeit, in dieser ungeschützten Morgenstunde, sang er „Sailing“ in wenigen Takes ein.
    Nicht perfekt. Aber Authentisch.

    Die Schwellenzeit

    Das Lied singt vom Fliegen wie ein Vogel über das Meer. Von einer Bewegung, die uns über das Gewöhnliche hinausträgt.
    Von Freiheit und Weite.
    Die Sutherland Brothers, die „Sailing“ komponierten, wollten dem Lied einen „keltischen Klang“ geben.
    Etwas von dieser alten Weisheit, die um die Übergänge weiß. Um das Dazwischen.

    Es ist ein Lied für die Schwellenzeiten im Leben. Momente zwischen Tag und Nacht.
    Zeiten zwischen dem Alten und dem Neuen.
    Unterwegs sein ist der Ort, wo das Leben sich ereignet.

    „Sailing“ wurde zum Soundtrack für genau solche Momente.
    Abschiede. Neuanfänge. Aufbrüche ins Ungewisse.
    Menschen haben es gespielt, wenn sie Heimat verlassen mussten.
    Wenn sie einen neuen Lebensabschnitt begannen.
    Das Lied weiß: Unterwegs sein gehört zum Menschsein dazu. Immer schon. Seit Jahrtausenden.

    Der Song erzählt vom Segeln und Fliegen – beides Bilder für eine Bewegung, die uns über das Gewöhnliche hinausträgt.
    Wann haben Sie diese Sehnsucht gespürt? Vielleicht beim Blick aus dem Fenster heute Morgen.
    Die Weite des Himmels, die plötzlich größer war als alles, was Sie beschäftigt.
    Ein Moment, in dem das Fenster zum Rahmen wurde für etwas, das Sie nicht greifen können, aber spüren.
    Der Psalm spricht vom „lebendigen Gott“. Nicht von einer Idee oder einem Prinzip, sondern von einer Kraft, die lebendig macht.
    Leben, das sprudelt wie eine Quelle. Leben, das trägt wie der Wind unter den Segeln.

    Diese Kraft ist da.
    Sie ist der Grund, auf dem Sie stehen, auch wenn der Boden manchmal wackelt.
    Sie ist der Horizont, der bleibt, auch wenn Sie den Blick senken.

    Spiritualität ist keine Flucht aus dem Leben, sondern eine Vertiefung hinein.

    Eine Odyssee zu sich selbst durch etwas, das größer ist als wir selbst. Der Weg übers Meer zurück nach Hause.

    Die Hoffnung

    Woher kommt eigentlich diese Sehnsucht?
    Diese Unruhe in uns, die uns nicht zur Ruhe kommen lässt? Diese Suche nach dem Mehr, nach dem Größeren, nach dem, was trägt?
    Augustinus, der große Kirchenvater, hat es vor 1600 Jahren so gesagt:
    „Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir, o Gott.“
    Unruhig ist unser Herz.
    Das ist keine Krankheit. Das ist keine Schwäche. Das ist Gottes Spur in uns.

    Gott hat diese Sehnsucht in unser Herz gelegt.
    Wie eine Kompassnadel, die nach Norden zeigt.
    Wie ein innerer Kompass, der uns ausrichtet auf das Lebendige.

    Die Sehnsucht ist nicht das Zeichen, dass uns etwas fehlt. Sie ist das Zeichen, dass wir für mehr geschaffen sind.
    Dass da eine Kraft in uns wirkt, die größer ist als wir selbst.
    Und dennoch sagt der Psalmbeter zu sich selbst:
    „Warte nur auf Gott! Ja, ich werde ihm noch danken. Er ist die Rettung für mich, er ist mein Gott.“

    Hören Sie, was er nicht sagt?
    Nicht: Ich bin angekommen.
    Nicht: Ich habe die Antwort gefunden.
    Nicht: Ich habe keine Fragen mehr.

    Sondern: Ich werde noch. Ich warte. Ich bleibe dran.

    Das ist der Mut unserer spirituellen Odyssee. Die Sehnsucht nicht wegzudrücken, sondern als Gottes Ruf zu verstehen.
    Zu segeln, ohne genau zu wissen, wo das Ufer ist – aber zu vertrauen, dass die Sehnsucht selbst schon Gottes Antwort ist.
    Das ist schon segeln. Das ist schon unterwegs sein. Das ist schon vertrauen, dass die Sehnsucht selbst der Weg ist.
    Wie der Hirsch, der dem Duft des Wassers folgt, lange bevor er die Quelle sieht.
    Wie das Lied, das die Weite des Meeres besingt und dabei von Heimkehr träumt.

    Nach Hause

    Rod Stewart singt davon, nach Hause zu segeln, über das Meer. Zu jemandem hin.
    Zu wem? Der Liedtext bleibt offen.
    Der Psalmbeter ist konkreter: „Ich strecke mich aus nach Gott, nach dem lebendigen Gott.“

    Was bedeutet „nach Hause“?
    Nicht ein Ort, sondern eine Gegenwart. Nicht ein Ankommen, sondern ein Getragenwerden.
    Der lebendige Gott ist nicht das Ziel am Ende der Reise. Er ist die Kraft, die uns trägt, während wir noch unterwegs sind.
    Sie sind unterwegs. Das ist nicht das Problem. Das ist nicht der Mangel. Das ist das Leben selbst.
    Ihre Sehnsucht ist nicht das Zeichen, dass etwas fehlt. Sie ist das Zeichen, dass Sie lebendig sind.
    Dass da eine Kraft in Ihnen wirkt, die größer ist als alle Begrenzung.

    Am Ende des Liedes heißt es nicht „I am sailing“, sondern „We are sailing“.
    Wir.
    Nicht: Ich segele einsam übers Meer.
    Sondern: Wir sind unterwegs. Gemeinsam.
    Gleich werden wir dieses Lied zusammen singen. Und vielleicht spüren Sie dann: Diese Odyssee machen wir nicht allein.
    Hier, in diesem Raum. Auf diesem Wasser des Lebens.
    Mit dieser Sehnsucht nach dem Lebendigen, die uns trägt, auch wenn wir noch nicht angekommen sind.
    Heute. Hier. Gemeinsam.

    Amen.


    Quellenverzeichnis:

    Bibeltext:
    Psalm 42,2-6 nach BasisBibel. Die Bibel. © 2021 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. Online: www.die-bibel.de

    Lied „Sailing“:
    Quellenhinweis:
    „Sailing“ (1972)
    Text und Musik: Gavin Sutherland
    © Universal Music Publishing Group / Warner Chappell Music, Inc.
    bekannt durch Rod Stewart (1975)

    Hintergrundinformationen
    Gavin Sutherland zur Bedeutung des Songs:
    Scottish Daily Express (1975), zitiert in: Wikipedia: „Sailing (Sutherland Brothers song)“
    URL: https://en.wikipedia.org/wiki/Sailing_(Sutherland_Brothers_song)
    Zitat: „The song’s got nothing to do with romance or ships; it’s an account of mankind’s spiritual odyssey through life on his way to freedom and fulfillment with the Supreme Being.“ (sinngemäß übersetzt)“

    Rod Stewarts Aufnahmesession in Muscle Shoals:
    Mail on Sunday’s Live Magazine (2010), zitiert in: Songfacts – „Sailing by Rod Stewart“
    URL: https://www.songfacts.com/facts/rod-stewart/sailing
    Details: Aufnahme 10:30 Uhr morgens, Tom Dowd als Produzent, 6-7 Takes

    Muscle Shoals Rhythm Section:
    Wikipedia: „Muscle Shoals Rhythm Section“
    URL: https://en.wikipedia.org/wiki/Muscle_Shoals_Rhythm_Section
    Musiker: Roger Hawkins, Barry Beckett, Jimmy Johnson, David Hood
    Zusammenarbeit mit Aretha Franklin, Wilson Pickett, Percy Sledge

    „Celtic feel“ des Songs:
    Wikipedia: „Sailing (Sutherland Brothers song)“
    URL: https://en.wikipedia.org/wiki/Sailing_(Sutherland_Brothers_song)

    Augustinus: Confessiones (Bekenntnisse), I,1.


    Fragen zur persönlichen Reflexion
    für das eigene Nachdenken,
    das Tagebuch
    oder ein vertrauensvolles Gespräch

    1. Welcher Moment der letzten Woche fühlte sich an wie „Wind unter den Segeln“?
    2. Wann in Ihrem Leben war die Sehnsucht nach Transzendenz am stärksten spürbar?

    Meditativer Nachklang

    Du Kraft, die trägt wie Wind und Wasser,
    Du Sehnsucht, die in uns wohnt,
    Du Horizont, der uns ruft –
    lass uns spüren:

    Wir sind unterwegs zu Dir,
    und Du bist unterwegs zu uns.

    In der Weite des Meeres
    und in der Stille unseres Herzens
    finden wir Dich –

    und werden gefunden.

    Amen.


    Für alle, die Lust haben auf mehr: Gedanken und Bausteine,
    die übrig blieben beim Vorbereiten

    Manchmal bleiben beim Vorbereiten der Andachten
    oder Predigten ein paar Gedankensplitter übrig.
    Sie passen irgendwie nicht so richtig hinein,
    aber sie sind zu schade, sie zu vergessen.
    Hier finden Sie etwas davon.

    Psalm 42 als Pilgerlied

    Dieser Psalm gehört zu den sogenannten Korachpsalmen, möglicherweise Lieder für den Tempelbesuch.
    Die Sehnsucht ist konkret: nach Jerusalem, nach dem Tempel, nach der Gemeinschaft der Feiernden. Universal gesehen: nach dem Ort, wo Himmel und Erde sich berühren.

    Inspirierende Fragen:
    – Was macht einen Raum zu einem spirituellen Raum?
    – Welche Orte in Ihrem Leben sind „heilige Orte“, wo Sie sich Gott nahe fühlen?

    Quelle: Vgl. Seybold, Klaus: Die Psalmen, HAT I/15, Tübingen 1996, S. 177-180

    Exil und Sehnsucht

    Der historische Kontext: Menschen im babylonischen Exil haben wahrscheinlich diesen Psalm geschrieben. Sie sehnen sich nach Jerusalem. Fern vom Tempel, fern von Heimat. Die Sehnsucht ist geografisch – und zugleich existentiell. Heimweh als Seelensprache.

    Inspirierende Fragen:
    – Was wäre Ihre „Heimkehr“ – wohin sehnen Sie sich zurück?
    – Wo in Ihrem Leben fühlen Sie sich „im Exil“ – fern von sich selbst?

    Quelle: Kraus, Hans-Joachim: Psalmen 1-59, BK XV/1, Neukirchen-Vluyn 1978, S. 468-474

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