Klinikseelsorge im Evangelischen Dekanat Nassauer Land

Kategorie: Empfehlenswert

In mir wachsen lassen

„Man muss den Dingen die eigene, stille, ungestörte Entwicklung lassen.“
— Rainer Maria Rilke, Briefe an einen jungen Dichter

Es gibt einen Satz, den ich nicht loswerde.

Nicht weil er so schön klingt. Sondern weil er so wahr ist – und weil er mich ertappt.

Rilke schreibt ihn in einem Brief. Kein Gedicht, keine große Rede. Nur ein Satz, der sich festsetzt:
„Man muss den Dingen ihre stille, ungestörte Entwicklung lassen.“

Das passt an vielen Stellen des Lebens. Gerade auch in der Klinik.

Denn genau dort ist die Versuchung am größten.
Zu helfen. Zu erklären. Den Schmerz irgendwohin zu bringen, damit er erträglicher wird – für den anderen, aber vielleicht auch für mich.
Etwas sagen, das stimmt. Etwas tun, das nützt.
Den Augenblick irgendwie in Ordnung bringen.

Aber manchmal ist der Augenblick nicht dazu da, in Ordnung gebracht zu werden.

Jesus erzählt von einem Mann, der Samen auf den Acker wirft.

„Dann schläft er und steht auf, es wird Nacht und wird Tag.
Der Same keimt und wächst – wie, das weiß er selbst nicht.“
(Markus 4,27, Basisbibel)

Wie, das weiß er selbst nicht.

Das ist keine Schwäche. Das ist die Pointe.

Der Mann schläft. Er wartet. Er greift nicht ein.
Das Wachsen geschieht ohne ihn – im Verborgenen, in der Stille, in der Zeit.

Und er lässt es geschehen.

Das ist schwerer als Handeln.

Aushalten, dass man nicht weiß, wie es weitergeht.
Warten, ohne zu wissen, worauf.
Zeit lassen – der eigenen, der des anderen, der des Lebens.

Niemand bringt uns das bei. Es widerspricht allem, was wir gelernt haben.
Aber manchmal ist genau das der Dienst:
Da sein. Ausharren. Nicht weggehen.

Und dem anderen damit sagen, ohne es zu sagen:
Ich lass dir Zeit. Du musst das nicht jetzt.

Am Ende bete ich manchmal mit Worten, die Psalm 131 gehören:

„Ich habe meine Seele beruhigt wie ein gestilltes Kind.“
(Psalm 131,2, Basisbibel)

Nicht: Ich habe sie erklärt.
Nicht: Ich habe sie in Ordnung gebracht.

Beruhigt. Wie ein Kind, das nicht mehr kämpft.
Das einfach ruht.

Vielleicht ist das die tiefste Form des Vertrauens:
Den Dingen – und sich selbst – die stille, ungestörte Entwicklung zu lassen.

© Matthias Schmidt | mitmenschpfarrer.de

Bibelzitate nach der Basisbibel, © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. Alle Rechte vorbehalten.
Rilke-Zitat: Rainer Maria Rilke, Briefe an einen jungen Dichter, gemeinfrei.

Weite Landschaft in Neuseeland – Symbol für Aufbruch und die Jahreslosung 2026

Jahreslosung 2026: Was John Lennon und Johannes gemeinsam haben

Bibeltext

Offenbarung 21,5

Gott spricht: „Siehe, ich mache alles neu“

Die Jahreslosung 2026 ist ein Satz, der nach Zukunft schmeckt. Aber was meint er – und was nicht? Wer spricht hier? Und was heißt „neu“, wenn die Welt so alt aussieht?

Auf der Schwelle zum neuen Jahr begleiten uns zwei Menschen. Beide heißen John. Beide sind Träumer. Und beide träumen am Ende dasselbe: Eine Welt ohne Tränen.


Zwei Träumer und die Jahreslosung 2026

Der eine ist John Lennon. Liverpool. Der Beatle mit der runden Brille. 1971 setzte er sich ans Klavier und sang von einer Welt ohne Himmel, ohne Besitz, ohne Grenzen, ohne Religion. Ein Traum in Moll. Radikal diesseitig. Kein Gott, der rettet – nur Menschen, die endlich aufhören, sich gegenseitig zu zerstören.

1980 wurde er vor seinem Haus in New York erschossen.

Der andere ist Johannes. Der Verbannte. Er saß auf Patmos, einer Felseninsel in der Ägäis. Seine Gemeinde war verfolgt, Freunde waren ermordet worden. Die Welt war voller Gewalt.

Und dort, im Staub des Exils, sah er etwas: Den Himmel, der auf die Erde kommt. Und er hörte eine Stimme: „Siehe, ich mache alles neu.“

Das ist die Jahreslosung für 2026.

Was wäre, wenn die beiden sich begegnen würden? Hier, auf dieser Schwelle?


„Imagine“ trifft „Siehe“ – ein Gespräch über Hoffnung

Lennon lehnt am Klavier. Er dreht sich um und sagt:

„Euer Problem ist, dass ihr wartet. Ihr starrt in den Himmel und wartet auf einen Gott, der irgendwann alles richtet. Und währenddessen? Verhungern Kinder. Werden Kriege geführt. Foltert einer den anderen. – Streich den Himmel. Dann fangen die Menschen vielleicht an, sich um die Erde zu kümmern.“

Johannes schweigt einen Moment. Dann sagt er:

„Ich habe nicht gesagt, wir sollen warten. Da steht: ‚Siehe.‘ Schau hin. Nicht: Warte ab.“

„Schau wohin?“

„Dahin, wo es schon geschieht. Wo jemand einem Fremden einen Teller hinstellt. Wo einer nachts aufsteht, weil der andere weint. Wo Menschen einander nicht loslassen, obwohl es einfacher wäre.“

Lennon winkt ab.

„Das ist nett. Aber nett reicht nicht gegen Panzer.“

„Nein“, sagt Johannes. „Reicht es nicht.“

Stille.

„Aber es ist nicht nichts.“


Warum Hoffnung nicht Vertröstung ist

Es wird still zwischen den beiden.

Dann fragt Lennon, leiser jetzt:

„Wenn dein Gott alles neu macht – warum ist die Welt dann so? Warum die Tränen? Warum stirbt ein Kind an Hunger, während dein Gott auf dem Thron sitzt?“

Johannes schließt die Augen. Er denkt an seine Insel. An die Nächte, in denen er nicht wusste, ob morgen noch jemand von seinen Leuten lebt.

„Das habe ich mich auch gefragt“, sagt er. „Oft. Laut. Und es kam keine Antwort.“

„Und dann?“

„Dann kam nicht die Antwort. Dann kam ein Bild.“

Er öffnet die Augen.

„Ich sah: ‚Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.‘ – Hör genau hin, John. Da steht nicht: Es gibt keine Tränen. Da steht: Er wischt sie ab. Eine nach der anderen. Er berührt den Schmerz. Er macht ihn nicht ungeschehen. Er geht hindurch.“

Lennon schüttelt den Kopf.

„Die Tränen müssen aufhören. Nicht abgewischt werden. Aufhören.“

Johannes nickt langsam.

„Ja. Und genau das steht da auch: ‚Der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein.‘ (Offb 21,4) – Aber ich lüge dich nicht an: Ich weiß nicht, wann.“

„Das ist ein ziemlich dünnes Versprechen.“

Johannes lächelt nicht.

„Ja. Manchmal ist es das. Und manchmal ist es alles, was mich hält.“


Anfangen dürfen – ohne die Welt retten zu müssen

Lennon schaut den alten Mann an.

„Und wenn eure Zeichen zu klein sind? Wenn das Teller-Hinstellen und Tränen-Abwischen nicht reicht?“

„Dann ist es gut, dass nicht ich es bin, der alles neu macht.“

„Was meinst du?“

„Ich meine: Ja – wir können teilen. Wir können Frieden stiften. Wir können einander halten. Und das ist nicht nichts. Das ist wirklich Gottes Handeln, durch uns.

Aber Gottes Handeln ist größer. Er macht neu – auch dort, wo wir nicht mehr können. Wo die Kraft ausgeht. Wo die Zeichen verwehen.“

Lennon schweigt lange.

Dann sagt er, fast widerwillig:

„Du glaubst, dass du anfangen kannst. Aber die Welt nicht retten musst.“

„Genau. Das glaube ich. Das ist meine Hoffnung. Ich darf anfangen. Und Gott vollendet.“

„Und wenn er es nicht tut?“

Johannes antwortet nicht sofort. Er atmet. Dann sagt er:

„Dann halte ich an dem fest, was ich gesehen habe. Mehr habe ich nicht.“


Was „Stell dir vor“ und „Siehe“ verbindet

Zwei Träumer. John und Johannes. Ich weiß nicht, ob eine Begegnung zwischen ihnen so verlaufen wäre.

Aber ihre Träume verbindet viel.

Wo der eine sagt: „Stell dir vor“ – sagt der andere: „Siehe.“

Der eine träumt von unten nach oben: Was wäre, wenn wir den Himmel streichen und endlich hier anfangen? Der andere sieht von oben nach unten: Der Himmel kommt herab. Auf die Erde. Zu den Menschen.

Und doch sehen beide dasselbe: Dass es so, wie es ist, nicht bleiben muss.

Aber Johannes glaubt noch etwas: Dass Gottes Handeln größer ist als unsere Zeichen. Dass er neu macht – auch wo wir scheitern. Dass er trägt – auch wo wir loslassen müssen.

Und das macht die kleinen Zeichen nicht kleiner. Das macht sie freier.


Die Jahreslosung 2026 mitnehmen

Wir stehen auf der Schwelle. Und uns begleitet diese Zusage:

„Siehe, ich mache alles neu.“

Gott macht neu. Er hat längst angefangen.

Und weil er größer ist als unsere Zeichen, können wir anfangen.
Amen.


Fragen zur persönlichen Reflexion
für das eigene Nachdenken,
das Tagebuch
oder ein vertrauensvolles Gespräch

1. „Siehe, ich mache alles neu“ – wenn Sie diesem Satz einen kleinen Raum in Ihrem Alltag geben würden: Was wäre der erste, vielleicht kleinste Schritt?

2. Was in Ihnen darf sein, ohne sich ändern zu müssen – gerade jetzt, auf dieser Schwelle?


Auf der Schwelle

Eine Schwelle. Hinter dir liegt etwas – Tage, Wochen, ein ganzes Jahr vielleicht. Vor dir liegt etwas ohne Namen.

Du stehst dazwischen.

Und auf dieser Schwelle hörst du eine Stimme. Nicht laut. Eher wie ein Atemzug.

Siehe. Ich mache alles neu.

Nicht du. Nicht deine Kraft.

Ich.

Das Neue kommt nicht von dir. Es kommt auf dich zu. Wie der Morgen kommt. Wie ein Atemzug, den du nicht erzwingen kannst.

Vielleicht spürst du Widerstand. Lass ihn da sein. Hoffnung, die keine Fragen kennt, ist billig. Hoffnung, die durch Fragen hindurchgeht, trägt.

Du stehst auf der Schwelle. Aber nicht allein.

Da ist etwas, das dich hält. Größer als deine Zeichen. Älter als deine Zweifel.

Es hat längst angefangen.


Für alle, die Lust haben auf mehr: Gedanken und Bausteine, die übrig blieben beim Vorbereiten.

Was bedeutet „Siehe, ich mache alles neu“ (Offenbarung 21,5)?

Das griechische Wort für „neu“ ist kainós. Es meint nicht „neu“ im Sinne von „unbenutzt“ (néos), sondern „andersartig, verwandelt, qualitativ anders“. Gott restauriert nicht den alten Zustand – er schafft etwas grundlegend Neues, bei gleichzeitiger Kontinuität. Das Alte wird nicht ausgelöscht, sondern verwandelt. Diese Vorstellung ist zentral für die jüdisch-christliche Hoffnung: Nicht Flucht aus der Welt, sondern Erneuerung der Welt.


Was ist der „neue Himmel und die neue Erde“?

In Offenbarung 21,1 greift Johannes auf eine Tradition aus Jesaja 65,17 zurück. Die Vision beschreibt keine räumliche Trennung zwischen „oben“ (Himmel) und „unten“ (Erde), sondern eine Durchdringung: Gottes Wirklichkeit kommt zur Erde. Der „Tempel“ verschwindet, weil Gott selbst bei den Menschen wohnt (Offb 21,22). Diese Vorstellung ist radikal: nicht Weltflucht, sondern Weltverwandlung. Gott gibt die Schöpfung nicht auf – er macht sie heil.


Warum sitzt Johannes auf Patmos im Exil?

Johannes, der Seher der Offenbarung, befand sich auf der Insel Patmos in der Ägäis – vermutlich als Verbannter unter römischer Herrschaft. Patmos war in der Antike ein Ort der Verbannung für politische oder religiöse Dissidenten. Johannes war Teil einer verfolgten christlichen Minderheit. Seine Vision entstand also nicht in Sicherheit, sondern in existenzieller Bedrohung. Das verleiht dem Text eine besondere Kraft: Hoffnung nicht trotz, sondern mitten in der Krise.


Wer war John Lennon und was meinte er mit „Imagine“?

John Lennon (1940–1980), Mitglied der Beatles, schrieb 1971 den Song „Imagine“. Der Text entwirft eine Welt ohne Religion, Besitz und Nationalstaaten – ein humanistischer Traum von Frieden durch Verzicht auf Ideologien. Sein Ansatz war radikal diesseitig: Frieden nicht durch Transzendenz, sondern durch Abbau trennender Strukturen. Der Song wurde zur Hymne pazifistischer Bewegungen, bleibt aber theologisch umstritten, weil er Hoffnung ausschließlich im Menschen verortet.
Damit bleibt er eine Herausforderung und eine Inspiration für Christen.

Bibelzitate:
Lutherbibel, revidiert 2017, © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.
BasisBibel, © 2021 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Imagine (John Lennon, 1971) – Text und Musik: John Lennon – © Lennon Music / Sony/ATV Music Publishing LLC (heute: Sony Music Publishing)

Spiritualität. Resilienz und Glaube

Wie Glaube die Seele stärken kann

Das Leben fordert uns heraus. Manchmal sanft, manchmal brutal. Manchmal täglich. Die Frage ist nicht, ob wir unter Druck geraten. Sondern: Können wir uns biegen, ohne zu zerbrechen?

Kann Glaube dabei helfen? Ja. Aber nicht als Flucht vor der Realität. Sondern als Kraft, die mitten im Alltag trägt.

Was Resilienz meint

In der Materialforschung beschreibt Resilienz die Fähigkeit eines Werkstoffs, sich unter Druck zu verformen und danach in seine ursprüngliche Form zurückzukehren. Nicht starr sein. Nicht brechen. Sondern nachgeben – und wieder aufrichten.

Was für Metalle gilt, gilt auch für die Seele. Auch sie braucht diese Flexibilität. Deshalb sprechen wir auch in der Seelsorge von Resilienz. Glaube kann dabei helfen. Nicht als Schonraum. Sondern als Trainingsraum.

Ein Anker – aber kein falscher Halt

Resiliente Menschen wissen: Nicht alles lässt sich kontrollieren. Aber es hilft zu wissen, woran man sich halten kann.

Glaube bedeutet nicht, dass alles leicht wird. Er bedeutet: Sie sind nicht allein. Auch nicht in den Momenten, in denen Sie sich so fühlen.

Aber was, wenn sich dieser Halt gerade nicht anfühlt? Wenn das Vertrauen brüchig ist und die Gebete wie Worte ins Leere wirken? Auch das gehört zur Wahrheit. Glaube ist nicht immer tragfähig. Manchmal muss er selbst erst wieder gefunden werden.

Rituale schaffen Rhythmus

Resilienz braucht keine großen Gesten. Oft reichen die kleinen. Ein Morgengebet. Ein Moment der Stille. Eine Kerze anzünden, bevor der Tag beginnt.

Rituale sind keine leeren Gewohnheiten. Sie sind Erinnerungen an das, was trägt. Sie schaffen Rhythmus in einer chaotischen Welt. Rituale helfen zur Resilienz.

Sinn sehen – auch im Schweren

Einer der wichtigsten Resilienzfaktoren ist die Überzeugung, dass das Leben verstehbar, bewältigbar und sinnhaft ist. Glaube gibt keine einfachen Antworten. Aber er hilft, die richtigen Fragen zu stellen.

Warum passiert mir das? Vielleicht werden Sie das nie wissen. Aber: Was kann ich daraus lernen? Wo bin ich gewachsen? Was ist mir wichtig geworden? Das sind Fragen, die Sinn stiften. Und Sinn stärkt die Seele.

Gemeinschaft trägt – aber nicht jede

Resilienz ist kein Solo-Projekt. Menschen, die spirituell verbunden sind, haben oft ein Netzwerk, das trägt. Eine Gemeinde, eine Gruppe, Freunde, die beten.

Sie können getragen werden. Sie können bitten. Sie können sagen: Ich schaffe das gerade nicht allein.

Aber nicht jede Gemeinschaft trägt. Manche fordert mehr, als sie gibt. Manche bewertet, statt zu halten. Gemeinschaft ist dann heilsam, wenn sie Raum lässt für das, was ist – auch für Zweifel, auch für Erschöpfung.

„Einer soll die Last des anderen tragen.“ Galater 6,2

Vertrauen – und loslassen dürfen

Glaube bedeutet: Sie dürfen loslassen, was Sie nicht ändern können. Das ist keine Resignation. Das ist Akzeptanz.

Aber Loslassen ist nicht einfach. Manchmal fühlt es sich an wie Aufgeben. Die Grenze zwischen Akzeptanz und Resignation ist oft schwer zu erkennen. Das Ringen darum gehört dazu. Es gibt kein einfaches „Lass los und vertrau“ – der Weg dorthin ist meist mühsam.

Vorsicht: Wenn Glaube zur Last wird

Nicht jede Form von Religiosität stärkt. Glaube, der nur Forderungen stellt, schwächt. Glaube, der Schuldgefühle verstärkt, verletzt. Glaube, der keinen Raum lässt für Zweifel, erdrückt.

Wenn Spiritualität Sie starr macht statt biegsam, dann ist sie nicht mehr heilsam. Resilienz braucht einen Gott, der mitgeht – nicht einen, der bewertet und kontrolliert.

Drei Fragen, die nicht drängen

Vielleicht hilft es, einen Moment innezuhalten:

Wo spüren Sie Ihre seelische Beweglichkeit? An welchen Stellen merken Sie: Hier kann ich nachgeben, ohne zu zerbrechen? Und wo spüren Sie Starrheit?

Was hält Sie, wenn der Boden wankt? Gibt es Rituale, Menschen, Worte oder Räume, die Sie tragen – oder suchen Sie noch nach einem Halt, den Sie spüren können?

Wie fühlt sich Ihr Glaube an? Macht er Sie weiter – oder enger? Gibt er Raum zum Atmen – oder fordert er mehr, als Sie geben können?

Diese Fragen und die Antworten darauf gehören Ihnen. Vielleicht auch in ein Gespräch mit der Seelsorge.

Nordic-Zen: Eine digitale Atempause

Nordic-Zen. Eine digitale Atempause
Oder: Warum diese Webseite so aussieht, wie sie aussieht

„Nordic-Zen“. Zugegeben, das klingt erst einmal nach einem teuren Möbelkatalog, einer neuen Yoga-Matte oder einer Duftkerze mit der Geschmacksrichtung „Fjord und Freiheit“. Dabei muss man sich fragen: Gibt es diese „nordische Kultur“ überhaupt? Jenseits von Möbelhäusern mit unaussprechlichen Namen und Fernsehkrimis, in denen es immer regnet?

Für mich ist dieser Fantasiebegriff – der übrigens in nächtlichen Diskussionen zwischen mir und meinen KI-Sparringspartnern Claude und Gemini entstand – weniger eine geografische Verortung als eine Sehnsucht. Die Sehnsucht nach einer Umgebung, die nicht schreit. Eine Haltung, die sagt: „Komm erst mal an.“

Es ist die Verbindung aus hessischer Bodenständigkeit und einer nordischen Klarheit. Weniger Chichi, mehr Substanz. Deshalb habe ich mich für das Theme „Lovecraft“ entschieden, also ein Grunddesign, das der schwedische Webdesigner Anders Noren entwickelt hat. Ein europäisches Modell.

Hier ist die Geschichte hinter dem Konzept – und warum hier vieles fehlt, was anderswo blinkt.

Vom Zettel zum Bildschirm. Ein Ort, der bleibt

Die Idee zu dieser Seite entstand nicht am Schreibtisch, sondern „draußen“. In der Klinik, bei Gesprächen im Park, nach dem Gottesdienst. Immer wieder merkte ich: Menschen wollen wissen, mit wem sie es zu tun haben. Wie der andere denkt. Was ihn trägt. Ob man ihm vertrauen kann im Gespräch.
Oder es wurde gefragt nach den Meditationstexten oder einer Andacht.

Früher habe ich Zettel verteilt – mit Texten, Gebeten, Gedanken. Das war nett, aber oft waren die Zettel weg, sobald man sie brauchte. Heute gehören Smartphones auch in der Klinik zum Alltag. Also warum nicht dort weitermachen, wo das Gespräch endet?

Mitmenschpfarrer.de ist gedacht als ein Ort, der bleibt. Als Brücke zwischen Klinik und Zuhause. Als Möglichkeit, den Faden weiterzuspinnen, wenn Sie wieder in Ihrem Leben sind – mit all seinen Fragen, Momenten der Stille und dem Bedürfnis nach einem Gedanken, der trägt. Sie ist niedrigschwellig, gut lesbar, ohne Kampf durch verschachtelte Menüs. Und sie lädt ein: Komm vorbei, wann immer du magst.

Mut zur Lücke. Klarheit ohne Kälte

Wer nach Trost, einem Gebet oder spirituellen Impulsen sucht, braucht keine Ablenkung. Deshalb gilt hier: Nordic-Zen bedeutet, dass die Seite einen Schritt zurücktritt.

Keine blinkenden Banner, keine Pop-ups, kein animiertes Feuerwerk. Der Raum ist da, um dir Platz zu machen – nicht um sich selbst darzustellen. Es ist wie eine leere Bank an einem ruhigen Ort: Sie drängt sich nicht auf, aber sie ist da, wenn Sie sich setzen wollen. Spiritualität ohne Kitsch. Kirche ohne fromme Fachsprache (soweit das einem Pfarrer möglich ist).

Datenschutz ist wichtig für Seelsorge

Ein digitaler Raum für Spiritualität und Seelsorge muss ein geschützter Raum sein. Datenschutz ist für mich kein bürokratisches Übel, sondern Teil meiner seelsorgerlichen Haltung. Vertrauen ist in der Seelsorge kein Extra, sondern das Fundament.

  • Keine Tracker: Ich verfolge Sie nicht.
  • Keine externen Datenkraken: Was hier passiert, bleibt hier.
  • Keine Cookies: Zumindest keine digitalen. Echte Kekse dürfen Sie beim Lesen natürlich gerne essen.

Ich finanziere diese Arbeit transparent selbst, damit Sie nicht mit Ihren Daten bezahlen.

Warum „Mitmenschpfarrer“?

Weil genau das mein Ansatz ist:
Ich bin Pfarrer – ja.
Aber vor allem bin ich Mitmensch.
Ich bin da für Menschen, die glauben oder zweifeln, hoffen oder kämpfen, lachen oder weinen.
Diese Seite ist kein theologisches Lehrbuch, sondern ein Platz fürs gemeinsame Nachdenken über das, was uns bewegt.

Work in Progress. bewusst so

Diese Seite wächst. Sie ist nicht perfekt, aber lebendig.

Was als digitale Visitenkarte begann, entwickelt sich weiter – mit Podcast-Ideen, Gedanken-Impulsen, Alltags-Meditationen. Alles darf sich verändern. Muss sogar.

Nordic-Zen ist kein System. Es ist ein Angebot.

Nehmen Sie mit, was Ihnen guttut – und kommen Sie wieder, wenn Sie mögen.


Für die Neugierigen: Drei kleine Hinweise

Gebrauchsanweisung (nicht ganz ernst gemeint). Wie man diese Seite nutzt:

  • Nach einem Gespräch in der Klinik zum Runterkommen.
  • Mit einer Tasse Tee auf dem Sofa zum Stöbern.
  • Als Spickzettel, wenn man selbst nach Worten sucht.
  • Warnhinweis: Kann Spuren von Hoffnung enthalten.

Disclaimer (sehr ernst gemeint): 

Was diese Seite nicht ist: Kein Hochglanz-Marketing, keine therapeutische Online-Beratung und kein Ersatz für ein echtes Gespräch unter vier Augen. Sie ist eher eine Tasse Tee für zwischendurch.

Ein Wort zur KI: 

Ja, ich nutze KI als Sparringspartner für Struktur und Code. Aber das Herz, die Theologie und das „Warum“ – das bin ich, Matthias Schmidt. Die KI hilft mir, die Tür zu bauen; hindurchgehen und Sie begrüßen tue ich selbst.

Für sich selbst sorgen

Auch Liebe braucht Pause

Sie sitzen am Bett eines Menschen, der Ihnen nahesteht. Die Zeit scheint stillzustehen – und gleichzeitig rast sie davon. Sie möchten jeden Moment nutzen, jedes Wort hören, jeden Atemzug teilen. Und doch spüren Sie, wie Ihre eigenen Kräfte schwinden.

Das ist kein Versagen. Das ist Menschsein.

Die Erlaubnis zum Gehen

Es ist nicht nur erlaubt, das Zimmer zu verlassen – es ist notwendig. Nach Hause gehen. Spazieren gehen. Duschen, essen, schlafen. Ihre Liebe misst sich nicht an der Anzahl der Stunden am Bett. Sie misst sich an der Qualität Ihrer Präsenz, wenn Sie da sind.

Der persische Mystiker Rumi schrieb einmal sinngemäß: Geh hinaus und lebe. Diese Erlaubnis gilt auch für Sie – gerade jetzt.

Was der Alltag trägt

Gehen Sie nach Hause. Öffnen Sie die Fenster. Machen Sie sich einen Tee. Setzen Sie sich in Ihren Lieblingssessel. Diese einfachen Handlungen sind keine Flucht. Sie sind Anker in einer Zeit, die alle Gewissheiten ins Wanken bringt.

Das Leben kennt seit jeher den Rhythmus von Nähe und Rückzug. Einatmen und Ausatmen. Hingabe und Stille. Auch Ihre Begleitung darf diesem Rhythmus folgen. Sie müssen nicht rund um die Uhr stark sein. Sie dürfen weinen. Sie dürfen müde sein. Sie dürfen überfordert sein.

Die Stille zwischen den Besuchen

Wenn Sie eine Pause machen, entsteht Raum. Raum für Gedanken, die im ständigen Wachen keinen Platz finden. Raum für Erinnerungen an schöne gemeinsame Zeiten. Raum für die Dankbarkeit, die neben der Trauer wohnt.

Diese Pausen sind keine Untreue. Sie sind ein Geschenk – an Sie beide.

Wir sind da, wenn Sie nicht da sind

Das Hospizteam wacht, wenn Sie schlafen. Begleitet, wenn Sie eine Pause brauchen. Ihr Mensch ist nicht allein, auch wenn Sie gerade nicht da sind. Vertrauen Sie darauf.

Und wenn die Schuldgefühle kommen – sprechen Sie mit uns. Mit der Seelsorge. Mit dem Team. Ihre Sorgen sind uns nicht fremd. Wir haben sie schon oft gehört. Sie sind alle berechtigt.

Ein Segen für den Weg

Mögen Sie die Erlaubnis spüren, gut für sich zu sorgen. Mögen Sie den Mut finden, um Hilfe zu bitten. Mögen Sie wissen: Ihre Fürsorge für sich selbst ist keine Gleichgültigkeit. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Sie bis zum Ende liebevoll da sein können.

© 2026 mitmenschpfarrer.de – Klinikseelsorge Nassauer Land